Moscatiello: Die amerikanischen Soldaten müssen Terroristen ausfindig machen, die sich unter den Zivilisten verstecken. Sie sollen dabei lernen, zwischen freundlich und feindlich gesinnten Irakern zu unterscheiden. Statisten in der Rolle der Terroristen versuchen natürlich, möglichst viele Soldaten zu töten – durch Anschläge und Heckenschützen. Jeder trägt dort eine Weste mit einem Empfänger. Die Gewehre senden ein Lasersignal, und wenn man getroffen wird, piepst es. Kurzes Piepsen heißt, man wurde verwundet. Langes Piepsen bedeutet, man ist tot.

ZEIT: Vergisst man irgendwann, dass es nur ein Spiel ist?

Moscatiello: Es bildet sich schon ein Gemeinschaftsgefühl – wir gegen die fremden Soldaten, gegen die Eindringlinge. Je länger die Simulation dauert, desto häufiger hört man Rufe wie "Mörder" und "Ami, go home". Das Spiel schafft sich seine eigene Realität. Und vor allem ist es für die Soldaten ganz real, weil sie genau wissen, dass sie drei Wochen später diese Situation auch im Irak erleben werden. Die Soldaten sind meist noch richtige Bubis – 20, 22 Jahre alt. Sie sind das erste Mal außerhalb der USA, und bei den nachgestellten Demos steht plötzlich einer von ihnen allein vor 30 aufgebrachten Menschen, die in einer fremden Sprache auf ihn einschreien. Ob die nun auf Deutsch oder Arabisch brüllen, macht da eigentlich keinen Unterschied. Die Ausbilder wollen sehen, wie die Soldaten unter diesem Druck reagieren. Und ich habe viele gesehen, die danach richtig fertig waren und geweint haben.

ZEIT: Und wer sind diese Leute, die sich freiwillig als Statisten für wochenlange Kriegsspiele melden?

Moscatiello: Das sind sehr unterschiedliche Menschen. Jede Altersgruppe ist dabei, viele Arbeitslose und natürlich sehr viele Studenten. Interessant fand ich, dass viele von ihnen Kriegsdienstverweigerer waren und den Irakkrieg vehement ablehnen. Trotzdem haben sie kein Problem damit, für die US-Armee zu arbeiten. Sie sagen, sie machen es nur wegen des Geldes. Den Kontext blenden einige völlig aus. Für meinen Film habe ich Protagonisten ausgewählt, die genau diese Widersprüche in sich tragen.

ZEIT: Man könnte das Verhalten dieser Leute auch positiv sehen. Sie versuchen mitzuhelfen, dass es weniger zivile Opfer im Irak gibt.