Krimi als Zeitgeschichte I: Niemand hält den Drachen China bei seinen Entwicklungssprün-gen fester am Schwanz als Qiu Xiao-long in seinen Romanen um Oberinspektor Chen Cao. Als dieser 1990 zu ermitteln begann, jagte er die Verbrecher noch zu Fuß. Jetzt, in seinem vierten Fall, wechselt er lässig zwischen Taxi und Dienstwagen, benutzt die Telefonzelle nur noch, wenn er fürchtet, sein Handy werde abgehört. Das Land Maos ist so materialistisch geworden, dass sogar die Partei gegen die Korruption vorgehen muss. Chen soll ihr Schwert sein. Doch kaum hat der Unbestechliche erste Fragen gestellt, wird eine Zeugin ermordet und der dichtende Inspektor als Leiter einer Schriftstellerdelegation in die USA weggelobt. Dort gibt es weitere Tote und Spuren, und wie immer kehrt Chen klüger, aber erfolglos zurück.

Krimi als Zeitgeschichte II: Kein deutscher Autor hat so kenntnisreich die Welt erschlossen wie der langjährige Entwicklungsspezialist D. B. Blettenberg. Nach Ecuador, Nicaragua, Thailand und jetzt Südafrika führen seine Ermittlungen. Und immer verknüpft er den persönlichen Einzelfall so mit dem politischen Ganzen, dass zur widersprüchlichen Realität eine widersprüchliche Geschichte hinzukommt, klischeefrei also, hart an den Menschen, zu schmecken und zu riechen. Helm Tempow, Privatdetektiv, ist eine neue Figur in Blettenbergs Kosmos. Vor Jahren ist eine Hamburger Reederstochter entführt worden, die Ermittlungen verliefen im Sande, nur der Vater will den Täter. Den soll Tempow finden, in Südafrikas Western Cape Region. Mit ihm unterwegs: das Opfer von damals. Ihre Recherche führt sie in die Welt der Revolutionäre, Geheimagenten, Gewinner. Am Ende steht kompromisslos die Wahrheit, der man nicht entfliehen kann.

Tobias Gohlis