DIE ZEIT: Haben Sie Kinder?

Jeffrey Steinberg: Drei, zwei Mädchen und einen Jungen.

ZEIT: Wer hat deren Geschlecht bestimmt?

Steinberg: Wir gingen altmodisch vor und überließen das dem Zufall. Über drei Mädchen hätten wir uns auch sehr gefreut.

ZEIT: Das sieht bei Ihren Kunden aber ganz anders aus. Zu Ihnen kommen Paare, die unbedingt ein Mädchen oder unbedingt einen Jungen wollen. Wie hoch ist Ihre Trefferquote?

Steinberg: 100 Prozent. Ein Fehler ist mir noch nie unterlaufen.

ZEIT: Wie schaffen Sie das?

Steinberg: Bevor wir eine Eizelle in die Mutter einpflanzen, überprüfen wir ihre genetische Zusammensetzung auf das weibliche X- und das männliche Y-Chromosom. So lässt sich mit Sicherheit sagen, ob aus dem Embryo ein Knabe oder ein Mädchen wird. Unter dem Neonlicht-Mikroskop leuchten weibliche Zellen rosarot, männliche hellblau.

ZEIT: Diese Präimplantationsdiagnostik ist umstritten und in vielen europäischen Ländern verboten. Wie lange arbeiten Sie schon damit?

Steinberg: Die Technologie ist seit acht Jahren auf dem Markt. Ursprünglich habe ich Embryonen ausschließlich auf genetische Krankheiten untersucht. Seit vier Jahren biete ich die Geschlechtswahl an.

ZEIT: Wie viele Embryonen selektieren Sie nach dem Geschlecht?

Steinberg: Es sind täglich etwa drei, pro Jahr sind es sicher 1000 Kinder. Die Wartezeit beträgt vier Monate. Die Nachfrage hat alle Erwartungen übertroffen. Weltweit selektiert niemand mehr Embryonen nach dem Geschlecht als ich.

ZEIT: Sie werden damit ein reicher Mann. Pro Selektion verlangen Sie 18480 Dollar, erzielen also einen Jahresumsatz von rund 18 Millionen Dollar. Was bedeutet Ihnen Geld?

Steinberg: Als ich mich für eine Karriere in der Fortpflanzungsmedizin entschieden habe, war Geld nebensächlich. Es wurde wichtig, da ich meine Angestellten bezahlen musste. Jetzt hat es wieder an Bedeutung verloren. Ich habe genug zum Leben.

ZEIT: Sie sind Multimillionär geworden, indem Sie Gott spielen.

Steinberg: Ich spiele nicht Gott. Ich studiere, wie Gott arbeitet. Ich lerne von Gott. Ich greife nicht mehr in Gottes Werk ein als ein Chirurg, der einen geplatzten Blinddarm entfernt. Ohne chirurgische Hilfe würde der Patient sterben. Der Chirurg macht kleine Eingriffe, damit der Mensch weiterleben kann. Ich greife nie ein, ich wähle nur aus.

ZEIT: Ein geplatzter Blinddarm ist lebensgefährlich. Ob jemand einen Jungen oder ein Mädchen bekommt, hingegen nicht.

Steinberg: Richtig. Genauso wenig wie zu kleine Brüste, die vergrößert werden, oder krumme Nasen, die man begradigt. Es sind Dinge, die das Leben besser machen. Ich lebe in Los Angeles. Hier wollen die Leute ihr Leben ständig verbessern. Sie wollen besser aussehen, sich besser fühlen.