Es gibt Momente, in denen sich das ganze Leben komplett ändern kann und nichts mehr gilt von dem, was vorher war. So einen Schlüsselmoment hat er erlebt, als er dreißig war. Später erinnerte er sich schreibend, wie er sich auf diesen einen Augenblick zubewegt habe, der seinem Leben Sinn gab und "von da an zur Achse wurde, um die sich das Rad meines Seins dreht".

Ein kluger Kopf, der sich eine durchaus eigenwillige Meinung bildet – das war er schon als junger Mann gewesen, was ihn zumindest einmal in Gefahr brachte. Nur Glück im Unglück hatte ihn damals retten können. Die durchlebte Todesangst bewirkte allerdings, dass er die Welt um sich herum fortan nahezu ignorierte. Das änderte sich erst nach jenem Wendepunkt.

Nun endlich konnte er das tun, wovon er früher nur geträumt hatte: lesen, schreiben, reden, Denkanstöße geben, die Gedanken anderer verwerten und auch Talente fördern. Allerdings brachte ihm sein Wirken neben Lob und Respekt auch Unverständnis, Ablehnung, sogar Feindschaft ein. Der eine oder andere Kritiker schien ihn partout nicht zu mögen, doch über die Jahre lernte er, damit zu leben: "Es kommt nur darauf an, dass das, was man macht, so gut wie möglich wird", schrieb er in einem Brief an seine Mutter. "Und … dass man freundlich bleibt, nicht aus Berechnung, sondern weil man ja sonst aufhören könnte, zu arbeiten und zu leben."

Leben, Arbeit, das war bei ihm nicht voneinander zu trennen, auch das Reisen gehörte dazu. Zu reisen sei eine "Form der schöpferischen Unruhe", meinte er. Zurückgekehrt, saß er am Schreibtisch und notierte penibel, was er erlebt hatte. Er wusste genau, warum er so und nicht anders leben musste; seit Kindesbeinen hatte er von einer Künstlerexistenz geträumt und viel zu lange darauf warten müssen.

Er stammte aus kleinen, engen Verhältnissen, sein Lebensgefühl beschrieb er später so: "Äußerlich lief meine Kindheit ab wie ein Uhrwerk. Wenn ich an sie denke, ergreift mich wieder das Gefühl der Langeweile, das mich umklammert hielt." Der Vater war an einer nie verheilten Kriegsverletzung zugrunde gegangen, als er, der mittlere Sohn, 15 Jahre alt war. Immerhin blieb ihm die Mutter lange, wovon auch ein steter Briefwechsel zeugt. Die Ideale des Vaters aber hatte er gehasst, dieses: Befehl und Gehorsam. Doch mit einer solchen Haltung galt er damals als Einzelgänger und musste sogar das Gymnasium vorzeitig verlassen.