Da müsste es sich ja eher um Antigravitation handeln. Nein, die Schwerkraft spielt bei dem Phänomen eine untergeordnete Rolle.

Ich habe als Erstes an den "Paranuss-Effekt" gedacht, der in der Müslidose dafür sorgt, dass die Nüsse immer ganz oben liegen. Aber dieses Phänomen (das den Physikern bis heute Kopfzerbrechen bereitet) entsteht durch Schütteln – und der Boden eines Feldes wird ja wenig durcheinander-gerüttelt.

Es gibt zwei Hauptursachen für die scheinbar "wachsenden" Steine: Eine ist der Bauer selbst, der durch das Pflügen Steine aus den Oberflächenschichten des Ackers ans Tageslicht bringt. Im Herbst, wenn das Feld gepflügt wird, sieht man davon noch nicht so viel, weil die Steine aussehen wie Erdklumpen. Erst durch die Regenfälle der folgenden Monate werden sie blank gewaschen und sind so im Frühjahr gut sichtbar.

Aber woher kommt der stetige Nachschub an Steinen, auch wenn der Bauer sie aufsammelt und Mäuerchen daraus baut? Das ist ein Effekt des Frosts. Steine leiten die Temperatur viel besser als lockeres Erdreich. Wenn die Kälte in den Boden kriecht, dann leiten Steine sie schnell nach unten. Unter einem Stein bildet sich so eine gefrorene Schicht, und da sich Wasser beim Gefrieren ausdehnt, wirkt ein Druck auf den Stein – das direkt darüberliegende, noch nicht gefrorene Erdreich gibt nach, der Stein rückt nach oben. Beim Auftauen sackt er nicht wieder zurück, weil sich eventuelle Hohlräume schnell mit Erde füllen. Und der Pflug befördert ihn dann endgültig ans Licht.

Die sogenannte Pedoturbation, das ist in der Fachsprache die Verlagerung und Vermischung von Gesteinsschichten, kann in Gegenden mit starkem Frost so extrem sein, dass die Steine sogar nach ihrer Größe geschichtet werden – so als hätte jemand sie von Hand sortiert. Christoph Drösser

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