Unter seinem Präsidenten Baschar al-Assad hat sich Syrien in der arabischen Welt isoliert. Ein wichtiger Verbündeter ist deshalb heute Iran: Bei einem Zusammentreffen am vergangenen Wochenende in Teheran warnten Präsident Ahmadineschad und Assad vor Amerikas Einfluss in der Region.

Vor wenigen Wochen wurde bekannt, dass es über einen längeren Zeitraum geheime Gespräche zwischen Israel und Syrien gegeben hat, die sich um eine Friedensregelung für die Golanhöhen drehten. Offiziell wurden die Gespräche von beiden Regierungen dementiert, doch liegt mit dem Entwurf für eine entmilitarisierte Zone um den Golan jetzt ein Konzept vor, über das formelle Verhandlungen beginnen könnten. Syriens Präsident Assad hatte mehrfach Verhandlungen vorgeschlagen; Israels Premier Olmert antwortete, solange er im Amt sei, werde der Golan »auf ewig« nicht aufgegeben. Bisher hat sich jede israelische Regierung gescheut, die Existenz der 18000 Siedler auf dem besetzten Hochplateau infrage zu stellen.

Die Schachzüge des syrischen Regimes sind auch für Experten oft undurchsichtig. Übersehen wird häufig: Das Land ist in seiner eigenen ethnischen und religiösen Struktur viel zu fragil, um ein Interesse daran haben zu können, dass der Irak zerfällt oder der Libanon politisch explodiert. »Sollte der Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten auf Syrien übergreifen, flöge Syrien – mit der Herrschaft der Minderheit der schiitischen Alawiten – in kürzester Zeit in die Luft«, urteilt Ghassan Tueni, ein führender Intellektueller Libanons und ein Kritiker Syriens.

Syrien wird seit 1963 von der »Sozialistischen Partei der Arabischen Wiedergeburt« (Baath) regiert, sie hat mehr als 1,8 Millionen Mitglieder (rund zehn Prozent der Bevölkerung) und ist mit ihren Zellen in Wohnvierteln und Betrieben vor allem ein Mobilisierungs- und Kontrollinstrument des Regimes. Seit Anfang der neunziger Jahre gab es vorsichtige Lockerungen, ein Teil der Parlamentssitze wurde unabhängigen Kandidaten überlassen. Im Juni 2000 starb nach 30 Jahren autoritärer Herrschaft Präsident Hafis al-Assad; als sein Erfolg gelten die Stabilität und die regionale Machtposition Syriens. Nach dem Amtsantritt seines Sohnes Baschar gab es einen kurzen »Damaszener Frühling« größerer Meinungsfreiheit; die politischen Foren wurden aber bald wieder verboten. Ein großes Problem des Landes ist der Mangel an Arbeitsplätzen: Assad muss Investoren ins Land holen; auch dafür braucht er den Frieden. c.w.

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