Washington/London

Nun also Rückzug? Die Briten raus aus Basra? Die Amerikaner, wiewohl kurzfristig verstärkt, bald schon auf dem Weg heraus aus Bagdad? Folgt dem Abmarsch aus dem Irak womöglich auch der Auszug aus Afghanistan, wo der Nato die Frühjahrsoffensive der Taliban bevorsteht und sich in dieser Woche ein Selbstmordattentäter zur Begrüßung von US-Vizepräsident Dick Cheney nördlich von Kabul in die Luft sprengte?

Ist in diesen Tagen der Anfang vom Ende der Doppelintervention im Irak und Afghanistan zu besichtigen?

Nein, gegenwärtig stehen nur im Irak die Zeichen auf Lebewohl, während Afghanistan mehr Nato-Soldaten bekommt. Zwischen Mai und Juni werden 1600 britische Soldaten den Irak verlassen. Das sind etwa ein Prozent der alliierten Streitkräfte im Irak. Eigentlich sollten es 3000 sein, "aber dies ist eben Irak," befand der britische Oberbefehlshaber General Richard Shirreff, "eine 60-prozentige Lösung" sei auch schon ganz schön. Es ist zweifellos ein Signal. Ende September starteten britische Truppen die Operation Sindbad. Deren Ziel war es, die Sicherheit Basras in die Hände der 10. Division der irakischen Armee zu legen. Die Zahl der Entführungen hat sich seither halbiert, und die Mordquote ist ebenfalls drastisch gesunken. " Derartige Statistiken sind zwar mit Vorsicht zu genießen", räumt ein Sprecher des britischen Verteidigungsministeriums ein, aber der Trend sei "eindeutig und positiv". Konteradmiral Richard Cobbold, Direktor des Royal United Services Institute (RUSI), eines Thinktanks der Militärs in London, meint: "Die Taktik, sich langsam zurückzuziehen und als Reserve im Hintergrund zu bleiben, macht Sinn. Denn die Iraker müssen die Verantwortung für ihre Sicherheit so bald wie möglich selber tragen."

Basra sei "jetzt wohl so weit". Aus Sicht der militärischen Führung gilt: Mission accomplished Auftrag ausgeführt. Fast, jedenfalls.

Tony Blair, seiner Strahlkraft beraubt und dem Ende seiner Tage als Premierminister nahe, möchte wenigstens seinem Volk und der Welt zeigen können, dass das Ende der Mission in Sicht ist. Längst weiß er, dass er das Stigma des unpopulären Krieges nicht mehr los wird. Aus dem ewig grinsenden Premier, der vor zehn Jahren täglich Meinungsumfragen erstellen ließ, um sich seiner Popularität im Volk zu vergewissern, ist ein verbissener Kämpfer geworden, der sich um das Urteil der Wähler nicht mehr schert. " Die Welt ist besser dran ohne Sadam Hussein", rechtfertigt er die Invasion trotzig und sagt: "Das alles bedeutet nicht, dass Basra aussieht, wie wir uns das vorstellen.

Aber es bedeutet sehr wohl, dass das nächste Kapitel in der Geschichte der Stadt von Irakern geschrieben wird."