Nein, jedes Motiv sei ihm recht, aber kein Bild von ihm vor einer Moschee. Und betend auf einem Teppich solle man ihn, bitte schön, auch nicht zeigen. " Das ist Privatsache", sagt der Professor zum Fotografen, und sein Tonfall lässt keinen Widerspruch zu. Schließlich gehe es um Wissenschaft und um nichts anderes.

Ömer Özsoy versucht Abstand zu wahren von privaten religiösen Überzeugungen, von Glaubensgemeinschaften, von der Politik. Das ist keine leichte Aufgabe für einen Gelehrten, dessen Disziplin, die Koran-Exegese, im Schnittpunkt dieser Kräfte liegt. Doch dass es einfach würde, hatte Ömer Özsoy auch nicht vermutet, als er vor einem halben Jahr seinen Arbeitsplatz wechselte: von der islamisch-theologischen Fakultät in Ankara zum Fachbereich evangelische Theologie in Frankfurt.

Seit 2005 existiert hier eine Stiftungsprofessur für islamische Religion, mit Ömer Özsoy ist sie nun regulär besetzt. Er ist der erste muslimische Theologieprofessor auf einem deutschen Lehrstuhl.

Religionspolitisch ist das eine kleine Sensation, und entsprechend hoch sind die an Özsoy geknüpften Hoffnungen. Neben seinen Koran-Forschungen soll der türkische Gelehrte den interreligiösen Dialog mit den christlichen und jüdischen Kollegen im Fachbereich pflegen. Die deutsche Öffentlichkeit sucht händeringend nach muslimischen Autoritäten, die ihren Glauben seriös und verständlich der Mehrheitsgesellschaft erklären. Und auch die türkische Behörde, die den Lehrstuhl finanziert, hat Interessen.

Zuerst einmal jedoch muss der Semesterbetrieb organisiert werden.

Schon das ist nicht einfach. In Ankara lehrten 60 Professoren das Fach, in Frankfurt hat Özsoy noch einen Kollegen und zwei Lehrbeauftragte. Lehrbücher fehlen, die wichtigste Literatur ist auf Arabisch, was die meisten Studenten erst noch lernen müssen. Hinzu kommen die unterschiedlichen Erwartungen der Studenten an den neuen Professor.

Rund zwanzig von ihnen haben sich an diesem Donnerstag um einen Tisch versammelt. Da sitzt der muslimische Doktorand aus Mazedonien neben dem Katholiken aus Ägypten, die türkischstämmige Kopftuchträgerin neben der unbedeckten Syrerin. Ein christlicher Theologiestudent interessiert sich für die Konkurrenz, eine pensionierte Lehrerin für die Religion ihrer früheren muslimischen Schüler. Die meisten jedoch scheinen Glaubenssucher in eigener Sache zu sein.