Nein, Liebe auf den ersten Blick fühlt sich anders an. Ganz erschrocken bin ich ob des riesigen, kantig wirkenden Ungetüms, welches da in der Tiefgarage auf mich wartet. Die Scheinwerfer strahlen in grellem Licht, das Armaturenbrett piepst zur Begrüßung, und als wir die Garage verlassen, springt sogleich der Scheibenwischer von allein an. Es regnet. Abends notiere ich bockig: Das Auto nervt.

Am nächsten Morgen mit einer Tasse Kaffee in der Hand fällt das Urteil bei einem Blick vom Wohnzimmerfenster auf die Straße schon milder aus. Wie freundlich der Renault da steht, wie zart hellblau er mich durch den Hamburger Nieselregen begrüßt. Und was für ein riesiges Glasdach! Das muss gleich aus der Nähe begutachtet werden.

Nach einigen Kilometern kreuz und quer durch die Hansestadt wird klar: Das Auto braucht einen Ausflug. Schnell sind Kind und Koffer gepackt, der Mann verabschiedet und der Renault Espace gen Süden gelenkt.

700 Kilometer lang haben wir Zeit, uns besser kennenzulernen. Während wir über die Autobahn brausen – ich vergesse nicht, auch den sechsten Gang zu benutzen –, stelle ich fest, dass die optimale Geschwindigkeit bei 160 km/h liegt. Ab 180 km/h wird es eher zuppelig, da reagieren die zwei Tonnen Gewicht auf jede Windbö und jede Bodendelle. Die hohe Sitzposition bietet neue Einblicke in vorbeifahrende Autos (wenn ich mich auch bis zuletzt ärgere, dass man die Position des Fahrersitzes bei jeder Fahrt neu einstellen muss), und auch an die im gesamten Fahrerraum verteilten Armaturen kann man sich gewöhnen, die anfangs etwas unübersichtlich anmuten, da nicht gebündelt an einem Ort. Ein wenig albern ist, wie ich später feststelle, das, was Renault "individuellen Reisekomfort" nennt: eine Klimaanlage, die für Fahrer und Beifahrer unterschiedlich einstellbar ist. Während ich es also bei 24 Grad Celsius mummelig warm habe, kann sich mein Beifahrer bei 18 Grad eine kühle Brise um die Nase wehen lassen? Sicher, der Espace hat einen großen Innenraum. Aber zwei unterschiedliche Klimazonen auf diesen wenigen Quadratmetern?

Schließlich erreichen wir südwestdeutsche Gefilde. Die erste Euphorie klingt ab. Erstarrt geradezu, als ich den Wagen in ein Tübinger Parkhaus lenke. Eng ist es hier, zu eng für dieses Auto, das nach Weite und Raum verlangt. Die Einparkhilfe piepst hilflos, als andere Fahrzeuge und Parkhauswände näher kommen. Was für eine Hilfe soll das sein? Nun weiß ich, dass das Auto nicht mehr weiterfahren will. Okay. Es muss aber. Es muss geparkt werden und, ja, auch in dieser kleinen Parklücke. Nein, sie ist nicht zu klein. Das Piepsen wird ängstlicher, es nimmt an Schrille und Häufigkeit zu und besteht schließlich nur noch aus einem einzigen panischen hohen Ton. Das Auto erleidet einen Kollaps im Tübinger Parkhaus. Man kann ihm ja nicht erklären, dass es tatsächlich in die Lücke passt. Klar, es ist ein bisschen eng, aber so ist das nun mal in Parkhäusern. Entnervt steige ich aus. Mit einem Auto möchte ich nicht über die Größe von Parkplätzen diskutieren.

Während ich Kind und Kinderwagen auspacke, offenbart sich die nächste nervige Eigenschaft des Autos: Sobald ich mich mit dem Kartenschlüssel im Mantel ein wenig zu weit von ihm entferne, piepst es laut, verschließt sich automatisch und legt ängstlich die Ohren, Entschuldigung, die Seitenspiegel an. Jedes Mal also, wenn ich aussteige, die Tür schließe und dann die Hintertür öffnen will, verschließt sich das Auto selbstständig. Man muss es dann behutsam aufsperren und ihm erklären, es könne ruhig warten. Und es solle bitte beim nächsten Mal nicht so entsetzlich piepsen, nur weil man sich ein paar Meter entfernt hat.