Wenn der Bär die Schafe bezichtigt, ist Misstrauen gegen das Tier mit den schärferen Zähnen und dem größeren Kampfgewicht geboten. Russland, brummt Putin, fühle sich von Polen und Tschechien bedroht, weil die zwei Handvoll Abwehr-Raketen nebst Radar amerikanischer Provenienz stationieren wollen. Dies zu glauben fällt schwer. Die Erben Breschnews besitzen an die 1500 strategische Geschosse mit Multi-Sprengköpfen - schon deren zwei könnten die Systeme der Schafe überwältigen. Zudem bauen Breschnews Erben zwei clevere neue Typen, die Abwehr-Raketen noch besser austricksen können.

Deshalb verwundert das Verständnis, das Außenminister Steinmeier dem Angst-Bären schenkte. Dies umso mehr, als es sich hier um "Punkt-Verteidigungs"-Raketen handelt, die keinen globalen Schirm aufspannen, mithin die russische Vergeltungsmacht nicht gefährden.

Schließlich bauen auch die großen EU-Staaten, Deutschland inklusive, solche Systeme und wollen sie den kleineren, etwa Finnland, verkaufen.

Aus gutem Grund, der mit Russland nichts zu tun hat: Die Bedrohung aus Mittelost wächst - sich dagegen nicht zu wappnen wäre kein Zeugnis der Weitsicht.

Dass Moskau nicht konsultiert worden sei, wie die Berliner verbreiten, hat Washington zurückgewiesen: "Zehnmal" sei das geschehen. Gut, dass Steinmeier inzwischen für "große Ruhe" wirbt. Es gibt genug Probleme zwischen Berlin und Washington - Pseudoprobleme, die Putin in die Hand spielen, gehören nicht auf die Liste.