Genau 49 Cent pro Minute kostet der Anruf. Es ist eine deutsche Nummer, aber die Hotline der Billigfluglinie SkyEurope führt direkt nach Bratislava. Slowaken beantworten die Fragen ihrer deutschen Kunden.

Auch die Dienstleistungsbranche hat Osteuropa entdeckt. Immer mehr Firmen verlegen ihren telefonischen Service in Länder, in denen die Mitarbeiter eine andere Sprache sprechen als die Kunden. Angefangen hat es beim Versandhandel, dann folgten Telefongesellschaften, Computerhersteller und Reiseveranstalter.

"Offshoring" heißt der Trend, der auch anderswo längst angekommen ist: Amerikanische Firmen nutzen die günstigen Stundenlöhne in Indien, französische Unternehmen bevorzugen wegen der Sprachkenntnisse die Maghrebregion. Deutsche Unternehmen lassen vor allem in den neuen EU-Ländern telefonieren. Die baltischen Staaten, Polen, Ungarn und die Slowakei sind dabei die wichtigsten Standorte. Hier gibt es nicht nur niedrige Löhne die meisten Mitarbeiter bringen schon aus der Schule solide Deutschkenntnisse mit. Von den örtlichen Universitäten werben die Callcenter-Betreiber reihenweise qualifizierte Studenten ab.

"Das ist ein hervorragendes Training für die deutsche Konversation", erzählt die ehemalige Germanistikstudentin Radka, die in Bratislava für SkyEurope ans Telefon geht. Später möchte sie sich für einen anderen Job bewerben. Ihr routiniertes Deutsch, davon ist Radka überzeugt, wird dann zum großen Plus. An den Schreibtischen neben ihr sitzen angehende Architekten, Mediziner und Juristen. Pro Monat bringen sie es einschließlich üppiger Prämien leicht auf ein Gehalt von 19000 Kronen, das sind knapp 550 Euro. Damit liegen sie über dem slowakischen Durchschnitt. Wer im Ausland auf Deutsch telefoniert, hat automatisch eine gehobene Position ganz anders als in Deutschland, wo die Callcenter-Stellen oft als McJobs verschrien sind.

"Inzwischen ist es für uns richtig schwierig geworden, gute Mitarbeiter zu finden", sagt denn auch Karsten Wulf, Geschäftsführer des deutschen Callcenter-Betreibers buw, der als Dienstleister die Telefonhotlines von großen Unternehmen bedient. Gerade erst hat er eine Niederlassung im ungarischen Pécs eröffnet. 50 Mitarbeiter telefonieren dort, bis Ende 2007 sollen es dreimal so viele sein. " Die Nachfrage nach günstigen Callcenter-Diensten steigt", sagt Wulf. Die Namen seiner Kunden verrät er nicht, das verbieten ihm die Verträge.

Viele Firmen fürchten um ihr Image, wenn herauskommt, dass sie ihre Telefone im billigen Ausland bedienen lassen.

So geht es auch dem Computerhersteller Dell, der mit seinem Privatkunden-Service nach Bratislava umzog. Seither rumort es in einschlägigen Internetforen. " Meine Gesprächspartner hatten einen derart starken Akzent, dass ich bei jedem zweiten Satz nachfragen musste", klagt ein verärgerter Käufer. Bei Dell will man trotzdem am Standort Slowakei festhalten, wo sich inzwischen 1500 Mitarbeiter um die Kunden bemühen. " Beschwerden gibt es nur in Einzelfällen", sagt ein Unternehmenssprecher. Allerdings hat Dell vor anderthalb Jahren ein weiteres Callcenter eingeweiht und das steht wieder in Deutschland, in Halle an der Saale. Von hier aus werden Behörden- und Firmenkunden betreut.