Der Preis ist mit 7300 Euro hoch dotiert, doch der Ausgezeichnete könnte den Betrag auch als Schmerzensgeld verstehen. Denn der Namensgeber des Publizistikpreises des Landes Salzburg glaubte noch 1949, Judenmord rechtfertigen zu müssen. " Wer über Gott und Gebet Spott treibt", schrieb René Marcic in der Weihnachtsbeilage der Salzburger Nachrichten, der dürfe sich nicht wundern, "wenn er eines Tages in die Gaskammer gesteckt wird". Dass ausgerechnet ein Journalist dieses Schlages, in der NS-Zeit Pressereferent der kroatischen Faschisten in Wien, der Patron eines modernen Medienpreises sein darf, wurde in der Salzburger SPÖ immer wieder kritisiert. Das war 1988 so, als die Gaskammer-Apologie wieder aus dem Archiv auftauchte, oder 2005, als der Publizistikprofessor Fritz Hausjell in der ZEIT über braune Flecken im Nachkriegsjournalismus berichtete. Man sprach von Reform, Hausjell wurde gebeten, eine alternative Auszeichnung zu konzipieren, und es geschah: nichts.

Vielmehr lädt auch in diesem Jahr die rote Landeshauptfrau Gabi Burgstaller persönlich zur Verleihung eines "René Marcic-Preises" ein diesmal an einen Karikaturisten. Wahrscheinlich legt sie die Gusenbauersche Theorie der Jugendtorheit etwas großzügig aus: 1949 war der Mann, der den Holocaust nicht leugnete, sondern Verständnis für ihn zeigte, immerhin bereits 30 Jahre alt. Gratulation.