DIE ZEIT: Laut Weltklimarat bleiben der Menschheit noch dreizehn Jahre, um sich vor der drohenden Klimakatastrophe zu retten

Eberhard Jochem: Von solchen Kassandrarufen halte ich nichts. Sie führen nur dazu, dass man resigniert, weil es zu eng zu werden scheint. Wenn wir in den nächsten zwanzig, dreißig Jahren neue Technologien nutzen und erfinden, die sehr effizient sind und rentabel, dann werden die CO2-Emissionen drastisch sinken. Wer glaubt, das Energiesystem binnen einer Dekade umbauen zu können, erliegt einer Illusion.

ZEIT: Sie widersprechen den Klimaforschern?

Jochem: Tatsächlich sage ich: Wir haben keine Zeit, nicht einmal dreizehn Jahre. Wenn wir die Anpassungskosten an den Klimawandel minimieren wollen, müssen Politiker und Unternehmer jetzt aktiv werden.

ZEIT: Die Atomindustrie bietet sich als Klimaretter an.

Jochem: Mit Kernkraft wird lediglich Elektrizität erzeugt. Sie deckt etwa 17 Prozent des globalen Strombedarfs, wobei Strom wiederum nur ein Fünftel des gesamten Energiebedarfs ausmacht. Selbst wenn wir unterstellen, weltweit würde fast aller Strom nuklear erzeugt, wäre das Klimaproblem überhaupt nicht gelöst. Kernenergie ist nur eine mögliche Technologie unter vielen.

ZEIT: Aber eine, für die sich auch die Internationale Energieagentur starkmacht.