Es gibt einen nicht unwesentlichen Auslöser für die Rede Putins. Immerhin planen die USA den Zwei-plus-Vier-Nato-Vertrag mit Russland einseitig zu brechen, indem sie Luftabwehrraketen in Tschechien und Polen an der Grenze zu Russland aufstellen wollen. Wer die Rede nachliest, weiß auch, dass Putin explizit auf dieses Thema eingeht.

Unbegreiflich, dass Joffe die Tatsache des drohenden Vertragsbruchs nicht erwähnt. Es sieht dann so aus, als ob Putin scheinbar grundlos, willkürlich oder unberechenbar eine harsche Rede gehalten hätte.

Schließlich würde das ja ganz gut ins Bild des ohnehin unsicheren Energielieferpartners passen.

Tobias Fischer, Berlin

Natürlich droht keine Neuauflage des Kalten Krieges. Man muss aber dem Staatschef Russlands schon zugestehen, kein Blatt vor den Mund zu nehmen und die Interessen seines Landes offen zu artikulieren.

Schließlich widerspricht es beispielsweise dem vom Autor definierten "europäischen Paradigma", wenn zwei Nato- und EU-Mitglieder unter Missachtung aller auf dem Kontinent seit 1975 erreichten Fortschritte grünes Licht für US-amerikanische Raketen- und Radaranlagen geben wollen, immerhin in der Nähe der russischen Grenzen. Im Übrigen, viele der Gefahren des von Putin kritisierten "unipolaren Weltmodells" werden auch außerhalb Münchens ganz offen diskutiert. Die täglichen Nachrichten aus dem Irak sprechen ihre eigene Sprache. Offensichtlich nimmt J. Joffe auch eine Vision für Realität, wenn er von "der iranischen Bombe" spricht. Bisher verfügt im Nahen und Mittleren Osten wohl nur ein Staat über Kernwaffen.

Dr. Hubert Thielicke, Ahrensfelde b. Berlin