Regensburg

Schon einmal hat der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller das Wohlgefallen des Papstes erregt. Das war, als er den von den Gläubigen der Diözese gewählten Diözesanrat abschaffte, eine Entscheidung, die am Heiligen Stuhl alsbald als vorbildlich galt. Nun hat Müller, der seit Jahren als möglicher Nachfolger von Kardinal Wetter in der Münchner Erzdiözese gehandelt wird, dem Papst einen neuerlichen Ergebenheitsbeweis geliefert. " Zweifellos", verkündete Müller, sei Benedikt XVI. "einer der bedeutendsten theologischen und philosophischen Denker der Gegenwart", weshalb sein Werk nun aufs Gründlichste erforscht, editiert und herausgegeben werde, und zwar an einem zu diesem Zwecke neu geschaffenen Stiftungslehrstuhl seiner Diözese an der Universität Regensburg.

Nun hat die Regensburger Uni schon heute eine komfortabel ausgestattete Katholisch-Theologische Fakultät. Nicht weniger als 14 Professoren unterrichten dort 100 Diplom-, 14 Magister und 128 Lehramtsstudenten. Von der Einrichtung des Benedikt-Lehrstuhls wurden die Theologen überrascht.

Schon gar nicht hatte es der Bischof für nötig gehalten, seinen Lehrstuhl mit dem Senat der Universität abzustimmen, dem obersten Entscheidungsgremium, dem allein die Einrichtung von Professuren zusteht. Entsprechend verärgert über die forsche Ankündigung Müllers zeigen sich nun Mitglieder des Senats. Bislang ist es in Bayern üblich, dass Universitäten die Kosten ihrer Stiftungsprofessuren nach Ablauf von fünf Jahren selbst übernehmen. Im Fall des Papst-Benedikt-Lehrstuhls hieße das, dass in einem anderen Fach eine Hochschullehrerstelle eingespart werden müsste. Das Ansinnen sei auch deshalb bundesweit einmalig, merken Kritiker der neuen Professur an, weil bisher noch nie für die Edition eines wissenschaftlichen Gesamtwerkes ein eigener Lehrstuhl geschaffen worden sei. Gewöhnlich begnügt man sich mit der Einrichtung eines Forschungsprojektes das freilich, anders als ein neuer Lehrstuhl, einer strengen Begutachtung ausgesetzt ist.