Gisele Bündchen gehört zu den Letzten ihrer Art. Sie ist ein Supermodel das sind jene Frauen, die in den neunziger Jahren Pop-Ikonen wurden, indem sie ihre Gesichter, Körper und Vornamen zur Marke stilisierten. Claudia, die Kühle, Naomi, die Wilde. Die 26-jährige Brasilianerin kam ein paar Jahre später, sie ist die Freche, natürlich, sportlich, dunkelblond. Der Laufsteg der Haute Couture ist für sie seit über vier Jahren passé. Das große Geld verdient die Exfreundin von Leonardo DiCaprio mit lukrativen Werbekampagnen und überflüssigen Filmen. Für die Dolce-& --Gabbana-Show in Mailand kam sie vorigen Freitag ausnahmsweise doch noch mal zurück und bewies: Sie kann noch laufen trotz der von Stefano Gabbana so geliebten Bleistift-Stilettos. Sie erduldete die unpraktischen Pfennig-, ach, mikrochipkleinen Absätze und stolzierte in einer Art beinlangem Keuschheitsgürtel die Reihen entlang. Eine Last, denn die bodenlangen Roben sind bestickt mit Hunderten von Swarovski-Kristallen, so bequem wie Zwangsjacken und so leicht wie Bootsanker. Auf den letzten Metern passierte es. Gisele trat fast auf den Saum, zögerte, rückte das Kleid mit den Händen nach oben, verzog die Mundwinkel vor Anstrengung. Sie kippte sacht, man sah sie fallen aber dann fing sie sich, wippte fünf Schritte bis zur Rampe, drehte sich um und atmete tief aus. Ende eines harten Arbeitstages.