Ein Deutscher in Österreich: Kalle Laar, 50, ist halb Este, halb Lette und arbeitet als Klangkünstler in Wien

Schicksalsgemeinschaft. Als Musiker war ich viel in der Welt unterwegs, immer auch auf der Suche nach interessanten Klängen. Dabei habe ich eine merkwürdige Plattensammlung angehäuft, eine Menge Sprach- oder Werbeaufnahmen und Platten, die in kein Genre passen. Als Vinylkünstler trete ich unter dem Namen "djkl & - The Temporary Soundmuseum" (www.soundmuseum.com) auf, zum Beispiel in der Wiener Kunsthalle. Für einen Abend zum Thema Politik & - Militär habe ich eine alte amerikanische Schallplatte rausgesucht: Darauf erzählt jemand, was passiert, wenn eine Atombombe explodiert. Man kriegt eine Gänsehaut, dem Klang kann man sich emotional nicht entziehen.

Aufgewachsen bin ich in einer funktionierenden Multikulti-Gesellschaft in München-Ludwigsfeld. Dieser abgelegene Stadtteil wurde als Pilotsiedlung für heimatlose Ausländer angelegt. Ich bin halb Este, halb Lette, ein klassisches Flüchtlingskind. Wir spielten auf einem betonierten Rollschuhfeld, das einst Fundament einer Küche des KZ-Außenlagers Dachau war. Jedes Kind war mindestens zweisprachig. Wir waren Mongolen, Kalmücken oder sonst was. Aber wir teilten ein Schicksal.

Aufgezeichnet von Ernst Schmiederer