Rosi Mittermaier ist heute früh hoch auf den Berg, nach Kreuzwankel, zum Skifahren mit einer Freundin. Ihrem Mann Christian Neureuther war nicht danach. Es macht ihm keine Freude bei so wenig Schnee. Oben auf dem Berg ist nur jeder fünfte Lift geöffnet, und dass man dort überhaupt fahren kann, ist Kunstschneekanonen zu verdanken. So bleibt er im Tal, in Garmisch-Partenkirchen, in ihrem Haus. Draußen im Garten brechen die Tulpen und Narzissen durch die Erde. Ende Februar.

Gestern wollten die beiden langlaufen. In Kaltenbrunn, dachten sie, liege Schnee, aber es war doch zu wenig. Da hat er zu ihr gesagt: "Schau, Rosi, jetzt können wir noch nicht mal mehr langlaufen."

Christian Neureuther und Rosi Mittermaier, er 57, sie 56, er erfolgreich im Weltcup, sie zweifache Olympiasiegerin, sind beide im Schnee aufgewachsen. Er in einem Berghaus in Gerold, unweit von Partenkirchen, und sie auf der Winkelmoosalm, nahe Reit im Winkl.

Christian Neureuther erzählt auch von ihrer Kindheit so detailliert, dass man glauben könnte, sie kennen sich schon ihr Leben lang. Die Winkelmoosalm, das Elternhaus seiner Frau, sei immer ein "Schneeloch" gewesen, der schneereichste Fleck in ganz Deutschland, das habe ihnen mal Jörg Kachelmann gesagt.

In den Wintern ihrer Kindheit war der Schnee dort höher als die Häuser, ständig musste geschippt werden, wollte man nicht versinken.

So lange blieb der Schnee liegen, dass er fest genug war, um Gänge und ganze Labyrinthe in ihn zu graben. Das sei das Schönste für sie beide als Kinder gewesen: das Naturereignis, viel schöner noch als das gemeinsame Skifahren mit den Eltern.

Wenn Christian Neureuther vom Schnee erzählt, wird aus dem Skifahrer ein Poet. " Die Freude, wenns schneit, richtig schneit, wenn die Flocken wirbeln, die ist durch nichts zu ersetzen. Sofort ist die Erinnerung an früher da, wie ich mich als Kind gegen die Scheibe drückte, so überfroh, weil das Spielmaterial einfach vom Himmel fiel."