Mag sein eigenwilliger Einsatz für das Wohl der Frauen auch bundesweit für Empörung gesorgt haben mangelndes Engagement muss sich der Augsburger Bischof Walter Mixa nicht vorhalten lassen. Bei Sabine Christiansen hatte er abends noch seine Äußerung verteidigt, Frauen dürften durch die Familienpolitik der Bundesregierung nicht zu Gebärmaschinen werden. Doch weil nach Sendeschluss kein Flugzeug mehr ging, ließ sich Mixa im Auto die halbe Nacht durch Deutschland fahren.

"Erst haben wir das Brevier gebetet", erzählt Mixa am nächsten Tag gut gelaunt, "dann bin ich eingeschlafen."

Auf diese Weise kam der Mann noch rechtzeitig zum Abflug der Deutschen Bischofskonferenz, die vergangenen Montag geschlossen zu einer Pilgerreise ins Heilige Land aufbrach. Dort war denn auch Mixas Kampf das informelle Thema des ersten Tages. " Hat er sich doch gut geschlagen", brummt ein Bischof über einem Glas Wein, wobei offen bleibt, ob er findet, der konservative Kollege habe inhaltlich überzeugend gesprochen oder vor laufenden Kameras nur geschickt vermieden, den Streit weiter anzuheizen. Tatsächlich hat die Kontroverse die Bischofskonferenz auf eine unangenehme Wahrheit gestoßen: Seit die CDU ihre Frauen- und Familienpolitik gründlich renoviert hat, sieht die katholische Kirche auf diesen Feldern alt aus.

Erst langsam dringt in das Bewusstsein der Bischöfe, dass sie in dieser Frage nicht mehr wie sonst oft gegen eine liberale Öffentlichkeit die Fahne auch für konservative Verbündete hochhalten, sondern dass sich hinter ihrer Fahne schlicht niemand mehr versammeln mag. Wer wie Bischof Mixa sogar in der siebenfachen Mutter und Christdemokratin Ursula von der Leyen eine Gefahr für die Familie sieht, findet Unterstützer allenfalls noch in muslimischen Traditionsverbänden.

Wenn Kirche nicht mehr für relevante Teile der Gesellschaft spricht, muss sie entweder ganz sicher sein, den Heiligen Geist auf ihrer Seite zu haben oder über ihre Position nachdenken. Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, der Mainzer Kardinal Karl Lehmann, neigt erkennbar dem Nachdenken zu. Er hat bereits öffentlich Distanz zu Mixas Tonlage erkennen lassen und sich auch in der Sache zu einer vorsichtigen Unterstützung der Pläne der Familienministerin durchgerungen.

Zugleich freilich sucht Lehmann aus den Traditionsbeständen, die Mixa so schlecht vertreten hat, zwei Kerne in die neue Zeit zu retten.

Nicht das Familienleben hat sich den Erfordernissen der Wirtschaft anzupassen, sondern auch im Turbokapitalismus muss Familienleben weiter möglich bleiben. Mit diesem dezent kapitalismuskritischen Ansatz könnte die Kirche bis weit in bürgerliche Kreise hinein anschlussfähig bleiben. Und: Die Freiheit der Eltern muss verteidigt werden eine Überzeugung, die auch so mancher Grünen-Wähler teilen dürfte, der selbst entscheiden will, in welchen Kindergarten er sein Kind gibt.