Der Konfuzianismus ist keine Religion, sondern eine praktische, lebensnahe Morallehre mit religiösen Elementen. Begründet wurde er von dem Beamten K’ung-Ch’iu, der 551 vor Christus in Qufu in der heutigen Provinz Shandong geboren wurde. Konfuzius lebte in einer Umbruchszeit: Das chinesische Feudalreich zerfiel – und damit auch die Glaubwürdigkeit seines mythologischen und religiösen Wertesystems. Das galt es zu erneuern mittels Rückbesinnung auf klassische Tugenden, von denen fünf zentral sind. Aus ihnen werden drei soziale Pflichten abgeleitet: Loyalität , Verehrung der Eltern und Ahnen und Wahrung von Anstand und Sitte. Sie sind in den hierarchischen »fünf Beziehungen« in der Familie, der Gemeinschaft und im Staatswesen zu erfüllen. Je mehr sich der Mensch als Teil eines großen Ganzen begreift, desto stärker sieht er sich auch als Teil der Unendlichkeit – und desto größer die Harmonie des Universums. Wichtig ist die Einhaltung von Regeln. In Tempeln wird der Toten gedacht; einen zentralen Wallfahrtsort gibt es nicht. Klicken Sie bitte auf das Bild, um die Grafik anzuzeigen BILD

Die Han-Dynastie machte im 2. Jahrhundert vor Christus den Konfuzianismus zur offiziellen Weltanschauung in China. Zeitweise von Buddhismus und Taoismus zurückgedrängt, erlebte der Konfuzianismus mit taoistischen und buddhistischen Elementen im 10. Jahrhundert ein Comeback. Konfuzius starb im Jahre 479 vor Christus und hinterließ keine Schriften; Kern seiner Lehre sind vier von seinen Schülern niedergeschriebene kanonische Bücher sowie die von ihm redigierten »fünf Klassiker« der chinesischen Literatur.

Mit dem Ende des chinesischen Kaisertums 1912 endete auch der Konfuzianismus als Staatsdoktrin; er wurde später unter Mao Tse-tung als reaktionär verschmäht. Eine Aufwertung erfolgte erst in den achtziger Jahren – auch durch die ökonomischen Erfolge traditionell konfuzianischer Länder wie Japan, Südkorea und Taiwan. Seither versucht eine neokonfuzianische Schule, die eigenen Werte den Demokratie- und Menschenrechtsvorstellungen des Westens anzunähern. abt

Zum Thema
Ein jeder an seinem Platz - Der Konfuzianismus kennt keine Offenbarungsgeschichte, keine Gebete und duldet andere Götter. Ist er eine Religion? »

Weltreligionen - Was soll ich glauben? Ein Schwerpunkt über Fluch und Segen der Religionen - und weshalb sie die Menschen bis heute faszinieren »