Der Hamburger Rotbuch Verlag, einst als Kollektiv gegründet, ist verkauft worden, an die Berliner Verlagsgruppe Eulenspiegel, die sich auch irgendwie als links versteht. Nun ist die Aufregung groß, Rotbuch-Veteranen wie Herta Müller oder Peter Schneider wollen nicht unter demselben Dach erscheinen, das auch die Bücher von Egon Krenz, Markus Wolf, Lotte Ulbricht und anderen DDR-Größen behütet. Alles wirklich so schlimm? Ein Anruf in Kiel. Dort sitzt Feridun Zaimoglu und schreibt gerade an einem neuen Theaterstück. Der Rotbuch Verlag hat ihn und seine Kanak Sprak berühmt gemacht, die ersten vier Bücher des preisgekrönten deutsch-türkischen Schriftstellers sind dort erschienen, die Rechte daran nun mit nach Berlin verkauft worden. " Das ist aber kein Grund, jetzt schrille Töne anzuschlagen und Blödsinn zu verzapfen", sagt Zaimoglu. Markus Wolf zum Beispiel sei auch schon vor dem Verkauf Verlagskollege bei Rotbuch gewesen, "da hat keiner der tantigen Großschriftstellerdarsteller sich aufgeregt". Der eigentliche Skandal ist für ihn, dass Autoren nur Verhandlungsmasse seien, Produkte für den Ausverkauf. " Das ist zwar rechtlich alles wasserdicht, aber kein gutes Gefühl." Zaimoglu hatte Mitte der neunziger Jahre einfach "30 Seiten Wutgebell" an den Verlag geschickt, nicht weil er dessen linkes Profil mochte, sondern einfach deshalb, "weil es von Kiel nach Hamburg nur 97 Kilometer sind. Und trotz meines unbekannten Moguffennamens haben sie daraus ein Buch gemacht. Dafür bin ich immer noch sehr dankbar." Sein jetziger Verlag, Kiepenheuer & - Witsch, habe versucht, die Rechte an den frühen Büchern zu kaufen, aber man sei zu keiner Einigung gekommen. Zaimoglu, der nahezu jedes Jahr einen neuen Titel vorlegt, will das Schicksal seines Frühwerks jetzt erst mal gelassen beobachten. Andere Rotbuch-Autoren lassen derweil ihre Verträge prüfen, ob sie Schlupflöcher bieten vor der als feindlich empfundenen Übernahme. Ironie der Geschichte: Links und links sind halt verschieden, wenn man von Osten oder Westen draufschaut. Und von Kiel betrachtet sieht alles noch mal anders aus.