Die Verfassungsrichter haben gesprochen und die Pressefreiheit gerettet. Und mit ihr die Informationsfreiheit der Bürger. Beide Grundrechte waren in Gefahr, weil die Justiz in letzter Zeit hemmungslos Journalisten nachstellte, sobald diese in ihren Beiträgen etwa aus geheimen Berichten der Nachrichtendienste zitierten. Wer Dienstgeheimnisse veröffentliche, mutmaßten die Staatsanwälte, müsse mit dem eigentlichen "Verräter" der Information unter einer Decke stecken. Wiederholt also konstruierte die Justiz gegen Journalisten den Vorwurf der Beihilfe zum Geheimnisverrat, durchsuchte ihre Büros und beschlagnahmte ihre Akten und Computer in der Hoffnung, so die Hintermänner zu entlarven.

Selbstverständlich stehen Medienleute nicht über dem Gesetz und bleiben beim Umgang mit ihnen zugespielten Geheimnissen an das Strafrecht gebunden. Das ist auch richtig so, denn der sorgfältige Umgang mit Informationen ist erste Journalistenpflicht. Aber Pressefreiheit heißt auch Quellenschutz. In diesem Konflikt hat Karlsruhe nun endlich dreierlei klargestellt: Erstens, die bloße Veröffentlichung eines Dienstgeheimnisses reicht nicht für den Verdacht der Beihilfe. Es müssen, zweitens, schon klare Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass der Geheimnisträger mit der Weitergabe der Information an die Presseleute tatsächlich ein Geheimnis verraten wollte. Drittens: Beschlagnahmen bei Journalisten mit dem bloßen Ziel, den Informanten zu ermitteln, sind verfassungswidrig.

Um Licht in dunkle Affären zu bringen, braucht man investigative Journalisten, die geheime Dokumente auftreiben. Ihre Arbeit muss geschützt sein.