Nun, da sich die Gesundheitsminister der Länder überraschend einmütig auf ein Rauchverbot in öffentlichen Räumen verständigt haben, bleibt eine kleine Frage zu beantworten: Warum jetzt?

Gibt es neue, umstürzende Erkenntnisse über die Gefahren des Passivrauchens? Wurden eventuell Argumente widerlegt, die bislang plausibel machten, dass Barkeeper und Kellner diesen Gefahren nicht ausgesetzt sind?

Natürlich nicht. Dass Tabakrauch ungesund ist, sei es aus eigenen oder aus fremden Zigaretten, haben die versammelten Minister und Ministerinnen von ihren Eltern gelernt, so wie sie selbst es ihren Kindern einschärfen, sobald diese sich dem durchschnittlichen Einstiegsalter nähern (derzeit 13 Jahre). " So geht es mit Tabak und Rum: Erst bist du froh, dann fällst du um", reimte Wilhelm Busch, und das dürfte auch seinerzeit nicht neu gewesen sein.

Warum also jetzt?

Liegt es daran, dass in Hollywoodfilmen nicht mehr geraucht wird? Dass in Italien und Irland trotz Rauchverboten nicht die Welt zusammenbrach? Dass aufflog, wie die Tabaklobby ein Positionspapier in eine Koalitionsrunde zum Thema Nichtraucherschutz einbrachte? Oder liegt es daran, dass es in Berlin keine Opposition gibt, die genügend Kraft hätte, glaubhaft mit einer populistischen Kampagne drohen zu können?

Wahrscheinlich liegt es an alldem. Man kann es aber auch anders ausdrücken. Vernunft und Verantwortlichkeit haben sich gegen eine mächtige Lobby durchgesetzt. Fortschritt ist möglich.