Saarbrücken/Zweibrücken

Schummriges Licht fällt auf schlichte Stühle, weiße Plastiktische stehen verwaist im Raum. Ein Bistro im Halbdunkel, aber kein Gast ist zu sehen. An der Wand gegenüber ist ein blauer Container aufgestellt, darin die Toiletten. Ein stilles Örtchen, diese Abflughalle. " Kein Handgebäck" steht auf einem Blatt Papier, "Reisegepäckkontrolle" auf einem anderen. Hinweise im DIN-A4-Format, doch Kontrolleure sucht man vergebens, und Passagiere wird man nicht finden. Nicht nachmittags.

Erst um 19.35 Uhr geht die nächste Maschine, es wird die zweite sein an diesem Tag - und die letzte. " Ein Flughafen der Extraklasse", liest man auf der airporteigenen Website.

Seit dem Herbst verbindet Germanwings das 35000 Einwohner zählende Zweibrücken mit Berlin. Werktags, morgens und auch abends, startet ein Airbus A319 von der Pfalz aus nach Berlin-Schönefeld. " Ein Durchbruch", frohlockten die Flughafenbetreiber - die neue Verbindung werde Zweibrücken Auftrieb verschaffen, prophezeiten Lokal- und Landespolitiker. Sie könnten recht behalten, denn im vergangenen Jahr verdreifachte sich das Passagieraufkommen dank der Berlin-Linie von 18000 auf rund 65000.

"Zweibrücken da heb ich ab!", werben jetzt die Airport-Manager und schwadronieren gar von einem "Großflughafen-Projekt". Das nährt nicht nur im nahen Saarland den Verdacht, die Pfälzer könnten alsbald die Bodenhaftung verlieren. Im 35 Kilometer entfernten Saarbrücken jedenfalls fürchtet man den neuen Konkurrenten wie der Pilot den Vogelschlag.

Flughafen Saarbrücken-Ensheim um die Mittagszeit: Im lichtdurchfluteten Terminal herrscht gebremste Betriebsamkeit. Elf von zwölf Check-in-Schaltern sind nicht besetzt, doch einige Dutzend Besucher tummeln sich noch in der modernen Abflughalle. Flug HF5152 wird aufgerufen, um 13 Uhr soll die Maschine nach Mallorca starten.

Mit an Bord wird dann auch Konstanze Arnold sein. " Man müsste die Leute schon mal rebellisch machen", fordert die urlaubende Vielfliegerin. So jedenfalls dürfe das mit Zweibrücken nicht weitergehen, warnt die 63-Jährige und verlangt, der Konkurrenz endlich Grenzen aufzuzeigen. Doch wie soll das gehen, wo zwischen den beiden Flughäfen eine Grenze verläuft: Zweibrücken liegt in Rheinland-Pfalz, Saarbrücken im Saarland. Das kleine Bundesland ist zwar hoch verschuldet, doch die Frage, ob Saarbrücken überhaupt einen Flughafen brauche, stellt sich Einheimischen wie Konstanze Arnold nicht: "Ja, hören Sie mal: Wir sind doch Landeshauptstadt!"