Die European Fine Art Fair in Maastricht (Tefaf) ist das weltweit schönste und prächtigste Flaggschiff des Kunst- und Antiquitätenhandels. Wenn die Messe morgen zum 20. Mal eröffnet wird, erdulden es die 220 internationalen Spitzenhändler nur zähneknirschend, dass sich bei ihnen zwei Kuckuckseier eingenistet haben. Die Auktionshäuser Christie’s und Sotheby’s firmieren zwar nicht unter ihrem Namen. Aber fast jeder weiß, dass sich unter dem Deckmantel King Street Fine Art Limited das Auktionshaus Christie’s als private dealer positioniert und hinter dem Namen des renommierten Altmeisterhändlers Noortman Sotheby’s steckt.

Auktion und Handel waren traditionell getrennt, aber im boomenden Kunstmarkt verwischen die Grenzen zwischen dem Primär- und Sekundärmarkt zunehmend. Die Auktionshäuser sind hungrig, sie wollen ihr Geschäftsfeld ausweiten. Die Eintrittskarte für die beiden Marktführer auf die Tefaf war der Verkauf der Maastrichter Altmeisterhandlung Noortman an Sotheby’s im vergangenen Jahr. Daraufhin machte Christie’s Druck und darf nun ebenfalls teilnehmen.

"Ein Dammbruch", sagt Henrik Hanstein vom Kölner Kunsthaus Lempertz, "damit machen die Auktionshäuser ihren besten Kunden, den Händlern, Konkurrenz." Von denen will sich niemand so recht zu der vertrackten Situation äußern, zu viele Eigeninteressen sind im Spiel. Und wenn man es genau nimmt, hat es auch vorher bei der Tefaf Grenzfälle gegeben. Der Schweizer Antikenhändler Jean-David Cahn tritt hier nicht nur seit Jahren als Händler auf, sondern führt auch regelmäßig Versteigerungen in Basel durch.

Es ist nicht nur die Tefaf, die Christie’s die Tür zum privaten Handel öffnen soll. Im Februar kaufte das Auktionshaus die Londoner Galerie Haunch of Vension mit Filialen in Zürich und Berlin – demnächst wird sie auch eine Dependance in New York eröffnen, nahe dem Hauptquartier von Christie’s. Dort wird der Leiter der Galerie, der frühere Christie’s-Direktor Barrett White, nicht nur Künstler der Galerie zeigen, sondern auch Ausstellungen mit Werken arrangieren, die Christie’s in sogenannten private sales anbietet. In einem solchen, den Auktionsblock umgehenden Handel hatte Christie’s vergangenes Jahr etwa das Porträt der Adele Bloch-Bauer von Gustav Klimt für rund 70 Millionen Pfund an die Neue Galerie in New York vermittelt.

Der Aufkauf von Galerien durch Auktionshäuser inklusive ihrer Ware, Archiven und aufschlussreicher Kundenkarteien ist kein ganz junges Phänomen. Bereits 1990 stieg Sotheby’s als stiller Teilhaber bei dem New Yorker Kunsthändler William Acquavella ein. 1996 übernahm es die 1954 gegründete New Yorker Galerie André Emmerich, die etwa die Nachlässe von Josef Albers, Sam Francis und Keith Haring verwaltete. Ein Jahr später beteiligte sich Sotheby’s mit 50 Prozent an der Galerie von Jeffrey Deitch.