War Goethe auch Maler? Ja, denn er hat gemalt. Nein, denn keines seiner Bilder hat den Rang eines bedeutenden Kunstwerkes. Nach der "Italienischen Reise", während der die hier abgebildete Skizze zu einem Landschaftsbild mit Treppenaufgang entstanden ist, hat er das Malen und Zeichnen mehr und mehr aufgegeben. Und doch gehören die von Petra Maisak herausgegebenen und kommentierten Zeichnungen Goethes (Verlag Philipp Reclam, Stuttgart; 327 S., 19,90 €) in den großen Werk- und Weltzusammenhang des Universalgenies, das überall – zwischen Blume und Stern, Mensch und Gott, Bild und Idee – nach der tiefen "Wesensverwandtschaft" gesucht hat. Dass er auf dieser Suche detailgenau und handwerklich an allem Menschlichen und Stofflichen lebhaft interessiert war, dokumentiert dieser Band, der auch anatomische Studien (Goethe schulte sich sogar in der Pathologie), römische Stadtbilder, ländliche Genreszenen und Portätstudien enthält.

Die hier abgebildete Hilfszeichnung für die später ausgeführte Komposition "Garten und Terrassentreppe mit Sphinx" (1787) zeigt Goethes Arbeitsweise: Über einer leichten Bleistiftskizze legt er die Kontur des Treppenaufganges fest und deutet die Vegetation an, flüchtige Pinselstriche sollen Farbproben ergeben, die beinahe unleserlichen Bleistiftnotizen sind Anhaltspunkte für die spätere Kolorierung. Iris Radisch