Die Anfänge des Hinduismus reichen etwa dreieinhalb Jahrtausende zurück, in eine Zeit, als Nomadenstämme aus Persien Nordwest-Indien eroberten. Ihr polytheistischer Glaube verschmolz mit dem religiösen Erbe der Harappa-Zivilisation – die beheimatet war, wo heute die Staaten Pakistan und Indien liegen – und breitete sich Richtung Osten aus.

Der Hinduismus kennt keinen Stifter, allgemein anerkannt wird aber die Autorität der vier Veden . Nach ihrer mythischen Erzählung ist das Universum entstanden, weil der ewige Mensch Purusha den Göttern geopfert wurde. Aus seinem Körper – Mund, Augen, Kopf, Füße – wurden die Teile des Universums. In Analogie zur Hierarchie des Seins , wie sie die heiligen Schriften entwerfen, ergeben sich die vier Hauptkategorien der hinduistischen Gesellschaft: Priester, Krieger, Bauern und Handwerker.

Vom siebten Jahrhundert an kamen Muslime nach Indien; im 16. und 17. Jahrhundert erreichte die islamische Staatsbildung auf indischem Boden mit dem Reich der Moguln ihren Höhepunkt. Toleranz gegenüber den Hindus und Islamisierungsversuche wechselten sich ab. Aus der Berührung von Hinduismus und Islam und durch das Bestreben, aus beiden eine monotheistische Religion zu schaffen, entstand gegen Ende des 15. Jahrhunderts die Religion der Sikhs , die heute ihr Hauptheiligtum im »Goldenen Tempel« von Amritsar haben.

Spannungen zwischen Hindu-Nationalisten, Sikhs und Muslimen lassen Indien nicht los: Als die Briten Indien 1947 in die Unabhängigkeit entließen, spaltete sich Pakistan als islamischer Staat ab. Premierministerin Indira Gandhi wurde 1984 von einem Sikh aus ihrer Leibgarde ermordet. 1992 führten Hindu-Nationalisten den Sturm auf die Ayodhya-Moschee an, Tausende Muslime starben. Vor knapp fünf Jahren wurden im Bundesstaat Gujarat bei einem Pogrom rund 2000 Muslime erschlagen – nach einem Anschlag, bei dem mehr als 50 Hindus getötet wurden. abt