Der Mensch...
Der Ökonom Georgij Patschikow zählt zu den wenigen Gründervätern der russischen IT-Branche, die ihr Land nicht verlassen haben. Der 53-Jährige leitet die Softwarefirma ParallelGraphics, die er 1988 als Sowjetkooperative ParaGraph etablierte. Obwohl er der Regierung Putin kritisch gegenübersteht, will er in Russland bleiben.
... und seine Idee
Die virtuelle Reise in die Vergangenheit ist Patschikows Lieblingsprojekt. Seine Firma zeigt am russischen Stand auf der Cebit ein 3D-Weltraumprogramm mit dem Start und Flug des ersten Satelliten Sputnik und der Erdumrundung des ersten Menschen im All. Sein Traum ist die weltweite Vernetzung aller Zeitreiseprogramme.


ZEIT: Russland ist Partnerland der Cebit 2007 und präsentiert sich unter dem Motto "The Innovation Nation". Stellt sich da einer der künftigen Weltführer in der IT-Branche vor?

Georgij Patschikow: Wissen Sie, ein Land, das reich an Ressourcen ist, entwickelt sich langsam. Russland ist sehr reich und wunderschön. Man könnte aus dem Kaukasus ein gefragtes Touristenziel machen – aber es passiert nicht, da es nicht nötig ist. Öl und Gas füllen die Staatskasse.

ZEIT: Der neue Reichtum Russlands müsste doch auch bei den IT-Firmen ankommen?

Patschikow: Ja, aber mit Verzögerung, und es kommt viel weniger an, als nötig wäre. Westliche Investoren wollen lieber in Energiequellen investieren. Und der Staat unterstützt unsere Branche nicht. Vor vier Jahren hat sich Putin mit bedeutenden Vertretern der IT-Industrie getroffen. Ich war auch eingeladen. Wir haben unseren Hauptwunsch vorgetragen: Der Staat möge unsere Entwicklung zumindest nicht stören. Ich wollte den Leuten im Kreml beibringen, dass sie über unser Wissenschaftlerpotenzial sprechen statt über Öl und Gas.

ZEIT: Und, hat sich im Kreml viel verändert?

Patschikow: Ich weiß es nicht.

ZEIT: Dann dürfte Russland als IT-Standort gegenüber Konkurrenten wie Indien eher ins Hintertreffen geraten?

Patschikow: Bei der Softwareentwicklung hatten die Inder von Anfang an einen großen Vorteil. Sie sprachen alle Englisch. Als in den achtziger Jahren diese Hightechexplosion im Westen passierte, konnten Inder in Amerika und anderen Ländern arbeiten. Sie wurden zu guten Managern, aber sie wollten im Gegensatz zu den Russen so schnell wie möglich in ihr Heimatland zurück, wo die Regierung sie dann unterstützte. In Russland gab es keine gelernten Programmierer wie in Indien, nur Mathematiker und Physiker, die programmieren konnten.

ZEIT: Hat Indien bessere Softwareentwickler?

Patschikow: Nicht unbedingt. In Indien gibt es talentierte Programmierer, aber viele besitzen keine hohe Ausbildung – dafür sind sie billiger. Verglichen mit uns, sind Inder eher fähig und geübt, konkrete Arbeiten zu erfüllen. Die Russen haben eine andere Mentalität, sie wollen keine banalen, sondern große Aufgaben lösen: Lieber schicken wir eine Rakete in den Weltraum, als ein Teilchen eines Gesamtprojekts zu programmieren.

ZEIT: Russland, mit dem Bewusstsein der wieder erstarkten Supermacht, vergleicht sich in letzter Zeit vor allem mit den USA. Wie unterscheiden sich die beiden Programmierschulen?