Berühmt zu werden, das war sein Traum; dass die ganze Welt sich seiner erinnere als eines unermüdlichen Pioniers, der kraft seines Geistes der Natur ein ehernes Geheimnis zu entreißen vermochte. Édouard-Léon Scott de Martinville – was für ein klingender Name, wie geschaffen, ihn zu preisen!

Am 25. März 1857 hatte dieser Franzose schottischer Abstammung seinen großen Tag, als er für den von ihm erfundenen Apparat das Patent bekam. Paris und Frankreich erkannten seine Urheberschaft an, voilà: Le Ministre secrétaire d’Etat au département de l’Agriculture, du Commerce et des Travaux publics bestätigte es. Welch eine Genugtuung, nachdem man ihn vier Jahre lang für zumindest leicht verrückt gehalten hatte! Niemand würde ihm nun seine Errungenschaft mehr streitig machen können, in diesem Jahrhundert des Fortschritts, in dem Schlag auf Schlag die alte Zeit, das alte Denken neuen Ideen und Techniken Platz machen mussten.

Phonautograph nannte er die aus Gips, Holz, Kautschuk, Schweineborsten, Glas, Ruß und einem gusseisernen Gestänge zusammengebastelte Maschine: Schallselbstschreiber. Sie sieht – mit unseren Augen betrachtet – ziemlich roh und abenteuerlich aus. Ein Eimer mit einem Loch vor einer Walze mit Kurbel… Aber in jenem Jahr war’s ein Wunderwerk, denn die robuste Mechanik vermochte schier Unglaubliches: nämlich die Worte, die in den Trichter fielen, sich in der Membran an seinem Ende fingen und die Borste zum Schwingen brachten, auf ein vorbeigezogenes rußgeschwärztes Glas zu schreiben.

Er liest ein Physiologiebuch Korrektur, da kommt ihm die Idee mit dem Ohr

Zu sehen war dann eine wellige Linie, die je nach Lautstärke, Ausdruck und Inhalt des Gesagten sehr unterschiedliche Formen anzunehmen verstand. Es handelte sich, davon war der Erfinder überzeugt, um die den Tönen selbst innewohnende Schrift, die der Apparat bloß sichtbar machte und die man, um sie zu verstehen, nun studieren müsse.

Das Patent bekam die Nummer 31470/1. Heute liegt es im Archiv des Inpi, des Nationalen Instituts zur Bewahrung des industriellen Erbes in der Rue Saint-Petersbourg, nicht weit von den Champs-Élysées. Drei Seiten umfasst die eigentliche Patentschrift. Da es 1857 so recht noch keine Schreibmaschinen gab, hat sie der Erfinder von Hand verfasst, in breiten, gestochen klaren Wörtern mit anmutig geschwungenen Versalien und kühn abtauchenden Unterlängen. Wer so schreibt, der versteht was von Schrift, und so war es auch.

Léon Scott hatte 1849 eine Geschichte der Stenografie "von der Antike bis in unsere Tage" veröffentlicht. Schriftsteller war er allerdings nicht im Hauptberuf. Als "Drucker-Korrektor" verzeichnet ihn ein stockfleckiges Exemplar der Nouvelle Biographie Générale aus dem Jahr 1864, das in der Pariser Nationalbibliothek steht: "Geboren am 24. April 1817 [in Paris]. Einziger Spross einer Familie schottischer Herkunft, tritt er 1834 auf väterlichen Wunsch in die [Pariser] Druckerei Bachelier ein. Dort bewährt er sich bald als Korrektor wissenschaftlicher Werke. Just als er die Fahne der ersten Ausgabe von Longets Traité de physiologie liest, kommt ihm die Idee zu jener Erfindung, die seinen Namen der gebildeten Welt enthüllen sollte. Scott fragte sich nämlich, ob man den Klang auf ähnliche Weise bannen könne, wie Daguerre das Licht eingefangen habe. Es müsse doch, durch Nachbildung der Natur, möglich sein, Gesang, Instrumentalmusik und auch die Sprechlaute der menschlichen Stimme grafisch festzuhalten."

Lassen wir hier das 1023-seitige Lexikon bedeutender Persönlichkeiten sinken, das Léon Scott immerhin 62 (von ihm selbst verfasste?) Zeilen widmet: Sein Ansatz ist so einfach wie großartig. Er baut Gehörgang, Trommelfell und was dann kommt, im Groben nach – und es funktioniert! Die feinen Bewegungen der Stimme, die noch kein Mensch festhalten konnte, dokumentieren sich von ganz allein. Aber schon vom ersten Moment an verpasst Scott die große Chance, indem er nur Daguerre und seinen Erfolg im Auge hat.

Louis Jacques Mandé Daguerre stellte 1839 das erste praktibable fotografische Verfahren vor: die nach ihm benannte Daguerreotypie, die das Anfertigen gestochen scharfer Porträts auf Glasplatten erlaubt. Die Pariser stehen Schlange, um sich ablichten zu lassen. Daguerre wird weltbekannt. Der Staat zahlt ihm eine jährliche Pension von 6000 Franc, das vierfache Gehalt eines Arbeiters.

Daguerre hat das, was man sehen kann, fotografiert; Scott will nun das, was man hören kann, fotografieren. Wäre er etwas offener an die Sache herangegangen, hätte es mit seiner Berühmtheit möglicherweise geklappt. Denn Daguerre schrieb das Licht ja nicht auf, um es aufzuschreiben; er fing es ein, um es wiederzugeben. Hätte Scott die Töne eingefangen, um sie wiederzugeben, wäre er der Geschichte zwanzig Jahre zuvorgekommen und hätte sich eine Menge Verdruss erspart.

Aber die Idee der Wiedergabe, sie kam ihm nie. Er wollte immerzu die Schrift der Klänge lesen, die sich leider als verdammt unleserlich erwies. Und wozu hätte die Lektüre im Alltag auch taugen sollen? Man konnte ja hören, was gesagt wurde, es sei denn, man war taub, aber dann tat es schon damals eine Kombination aus Gestikulieren, Zeichensprache und Lippenlesen oder die gewöhnliche Schrift.

Im Internet findet sich die Angabe, in der Rue Vivienne Nr. 9 im Zweiten Arrondissement erinnere eine Plakette an Léon Scott. Wer die schmale Gasse abschreitet, sucht den Hinweis auf den ersten Menschen, der die menschliche Stimme aufzuzeichnen vermochte, allerdings vergebens. Haus Nr. 7 ist die Rückseite eines Altbaus der Nationalbibliothek, Haus Nr. 11 eine Grundschule. An ihr klebt ein Schild; es erinnert an jene 140 Kinder des Bezirks, die zwischen 1942 und 1944, weil sie jüdisch waren, in Konzentrationslager verschleppt wurden, "unschuldige Opfer der Nazibarbarei in Komplizenschaft mit der Vichy-Regierung".

Eine Nr. 9 ist nirgends zu sehen. Dort, wo sie sein sollte, in Verlängerung der Nr. 7, weist eine vergitterte Fensterfront den Besucher ab; ein Schaukasten, auf den sich die Hoffnungen richten, ist leer. Vor der martialischen Fassade sind Räder und Motorroller abgestellt; Autos hupen wie wild, weil ein Lastwagenfahrer grad mitten auf der Fahrbahn hält, um ein paar Kisten von der Ladefläche zu hieven und gemütlich auszuliefern. Man könnte hier, mit Rekorder und Mikrofon, eine schöne Feldaufnahme machen, Pariser Straßenleben 2007, aber eine solche Tonaufzeichnung ehrte den ersten aller Aufzeichner nur sehr indirekt.

Hätte Léon Scott 1857 nicht den Phonautographen, sondern gleich den Phonographen erfunden, wie es Edison genau zwanzig Jahre später tat, dann wäre einiges anders gekommen. Die Beatles statt 1960 schon 1940? Da war Paul McCartney noch gar nicht geboren und John Lennon eben erst. Nein, ganz so einfach hätte sich der Gang der Dinge wohl nicht beschleunigen lassen.

Aber festzustellen ist, dass die Erfindung des Phonautographen wie des Phonographen ohne alle damals neuen Techniken auskam. Dampfmaschineller Antrieb tat so wenig not wie elektrische Verstärkung. Am Anfang von Hi-Fi stand der Handbetrieb. Schweineborsten und Trichter als Voraussetzungen erster Tonkonserven gab’s lang zuvor.

So hätte im Grunde schon der englische Physiker und Augenarzt Thomas Young den entscheidenden Schritt von der Aufnahme zur Wiedergabe vollziehen können. In seiner Schrift A course of lectures on natural philosophy and mechanical arts beschreibt er 1807, fünfzig Jahre vor Scott, siebzig vor Edison, einen Apparat, der die Vibration einer Stimmgabel als Strich auf Papier festhält. Kymograph, Wellenschreiber, nannte er das Gerät.

Thomas Young war aber mehr Wissenschaftler als Ingenieur, und er hatte – wie viele Forscher jener Zeit – alle möglichen Dinge im Sinn. Im Jahr seiner Schallaufzeichnung postulierte er die Dreifarbentheorie des Sehens, die im Prinzip noch heute gilt.

Was machte nun Léon Scott aus seiner Erfindung? Zunächst führte er sie gern vor. 1859 hatten die englische Königin Victoria und ihr deutscher Prinzgemahl Albert das Vergnügen. Das Aufsehen war Scott gewiss, wenn die Zeitgenossen auch nicht so genau wussten, was sie mit dem Gekrickel eigentlich anfangen sollten.

Unter dem Titel Fixation Graphique De La Voix gibt es die schriftliche Aufzeichnung eines Vortrags vom 28. Oktober 1857; mikroverfilmt in der französischen Nationalbibliothek harrt sie aus, Nachgeborenen Zeugnis zu geben von einer Erfindung, die letztlich nicht durchschlug.

Scott spricht vor der Gesellschaft zur Ermutigung der Wissenschaften. "Meine Herren", sagt er, "ich komme, Ihnen eine gute Neuigkeit zu unterbreiten: Der Klang, ganz wie das Licht, gibt ein dauerhaftes Bild. Die menschliche Stimme schreibt sich selbst in der ihr eigenen Sprache des Akustischen…"

Der Erfinder preist die Empfindlichkeit seines Apparates, der unter bestimmten Bedingungen in der Lage sei, sogar "molekulare Bewegungen" zu erfassen. Dann erzählt er von der Skepsis, die ihm während seiner Studien entgegenschlug. "Seit mir der Gedanke vor mehr als vier Jahren kam, fehlte es nicht an Leuten, die mein Projekt als unsinnig verwarfen. Diese Ablehnung, meine Herren, hat mich nicht abgehalten. Sie begleitet nun mal die schönsten Errungenschaften der menschlichen Intelligenz. Meinen bescheidenen Bemühungen ergeht es da wie vielen anderen, die zunächst utopisch erschienen."

"Was ist die Stimme?", fährt er fort. "Eine periodische Bewegung der Luft, die uns umgibt, hervorgerufen vom Zusammenspiel unserer Organe; eine sehr komplexe Bewegung und unendlich delikat." Scott malt die unüberwindlichen Schwierigkeiten aus, sie zu erfassen – und nun? "Passen Sie auf! Das unlösbare Problem, es ist gelöst. Es existiert ein Erfinder, dem nichts unmöglich ist: Das ist Gott! Konsultieren wir ihn. Studieren wir aufmerksam dieses größte aller Wunder: das menschliche Ohr. Hat man es verstanden, ist alles ganz einfach. Was sehen wir im Ohr? Einen Gang. Aber was genau bewirkt dieser Gang? Es gibt da ein bemerkenswertes Experiment. Ein berühmter Dekan unserer Akademie der Wissenschaften, Monsieur Biot, hat es zu Beginn dieses Jahrhunderts ausgeführt. Er stellte sich des Nachts an das Ende eines 954 Meter langen Aquäduktes und begann mit leiser Stimme, fast wispernd, zu einem Mitarbeiter am anderen Ende der gewaltigen Röhre zu sprechen. Isoliert von allen äußerlichen Einflüssen, von jeder Luftbewegung, wurde noch das leiseste Murmeln klar und deutlich übertragen. Der Gang gab es ohne Änderung oder Verzerrung wieder. Das heißt: Die Welle, so komplex sie auch ist, klingt von einem Ende zum anderen, wenn sie von allen Einflüssen verschont bleibt. So funktioniert auch der Gehörgang."

Und so leitet der Erfinder her, wie er auf den Trichter mit dem Trichter kam: Der Phonautograph verdichtet den Schall durch die Engführung und bringt mit der aufgestauten Energie die Membran zum Schwingen – und Schreiben.

Léon Scott beendet seinen Vortrag, der in der Mitschrift sechs Druckseiten umfasst, mit der Bitte um Hilfe. Er möchte seine Experimente weiterführen, es fehlt ihm aber an Geld.

Über die Reaktion des Publikums ist nichts bekannt; groß kann die Unterstützung bei allem Wohlwollen nicht gewesen sein. Zwar findet Scott noch einen Pariser Unternehmer, der seine Apparate baut und an wissenschaftliche Institute zum Linienstudium verkauft, aber weder ist dies ein nennenswertes Geschäft, noch führen ihn die eigenen Untersuchungen der fotografierten Wörter zu bahnbrechenden Erkenntnissen. Vier weitere Jahre werkelt Scott an seiner Maschine herum, dann liest er wieder nur Korrektur. 1870 bringt er ein Buch über die methodische Klassifikation von Ritterromanen heraus. Still ruht die Klangschreiberei, bis, ja…

Schon im Jahre 1859 war ein Phonautograph nach Amerika gelangt; er soll in Philadelphia zu sehen gewesen sein. Edison kannte das Gerät, wusste jedenfalls von ihm. Léon Scott, der seine Maschine nur mit Tönen füllte und ihr nie welche entlockte, hätte das egal sein können, denn sein Patent auf den Phonautographen war längst verfallen. Es ist ihm aber alles andere als egal.

Thomas Alva Edison verfügte über noch weniger formale Voraussetzungen zum Erfolg als Léon Scott. Der 1847 geborene Amerikaner hatte nur wenige Monate die Grundschule besucht. Als Erwachsener trieb er die weltweite technische Entwicklung phasenweise im Alleingang voran; auf über tausend Patente brachte er es, ein unübertroffener Rekord. Am Ende seines Lebens, 1931, hinterließ er der Menschheit unter anderem die Glühbirne und den Kinematographen.

Schon 1878 war sein Name in aller Munde; denn im Dezember zuvor hatte er in Menlo Park, New Jersey, Mary Had A Little Lamb in den Trichter seines Phonographen gebrüllt, und Minuten später krächzte die Maschine das Kinderlied zurück. Edisons Gesang hatte sich über einen Stichel in eine Stanniolfolie auf einer Walze eingedrückt, und beim neuerlichen Ziehen der Nadel durch die von ihr selbst gezogene Furche ging die Sache andersherum. "Speech, as it were, became immortal", schrieb der Scientific American beeindruckt – das gesprochene Wort sei nun unsterblich geworden.

Die Sprechmaschine! Wie lange hatte man vergeblich versucht, sie zu bauen. Hatte an Skeletten Schädel vermessen, Mundhöhlen nachgeformt, sogar daran gedacht, Leichen durch den Kehlkopf zu blasen. Aber was man auch tat: Nichts Unbelebtes wollte singen.

In den Hallen großer Hotels und den Salons der Wohlhabenden stand seit Mitte des Jahrhunderts das aus der Spieluhr hervorgegangene Orchestrion, das – mit Pauken und Trompeten bewehrt – ganze Beethoven-Sinfonien nachschnarren konnte. Bloß Arien ließen sich ihm trotz heißesten Bemühens nicht entlocken.

"Ein Verschwinden des Daseins, indem es ist", hatte Hegel 1830 den Ton genannt und als "erfüllte Äußerung der sich kundgebenden Innerlichkeit" gepriesen. Die Stimme als Hauch der Seele; wie sollte sie aus einem Automaten kommen?

Edison hielt sich nicht auf mit der Philosophie des Sprechens oder gar der Grammatik der Wellenlinien; seine Visionen waren die eines geschäftstüchtigen Praktikers. Er wollte ein Diktiergerät vermarkten. Auch ein Anrufbeantworter schien ihm vorstellbar, wenngleich es noch kaum Telefone gab.

Auf der Pariser Weltausstellung 1878 war der Phonograph die Sensation und sein Erfinder ein Medienheld. Le Figaro interviewte "diesen erstaunlichen Edison" und ließ die Leser an seinen "kühnsten Fantasien" teilhaben:

Was wollen Sie veröffentlichen?

"Musik, Romane, Literatur. Wir phonographieren Orchesterkonzerte mit Solisten und Stimmen und auch Chansons. Die Blätter, die diese Musik tragen, werden von einem Phonographen aufgenommen und dann durch ein elektrisches Verfahren reproduziert."

Was wird solch ein Musikblatt kosten?

"Um die 25 Cent."

Aber wie wollen Sie ein Orchester aufnehmen?

"Der Phonograph wird auf dem Boden eines Fasses installiert, auf der anderen Seite des Fasses ist ein Trichter von der Art, wie man ihn zur Belüftung von Dampfschiffen verwendet. Dieser Trichter fängt die Musik des Orchesters auf, aber kann sie natürlich nicht in all ihren Nuancen reproduzieren."

Was wollen Sie für die Literatur nehmen?

"Wir kalkulieren für einen gewöhnlichen Roman 50 Cent.… Die Romane werden von einem Sprecher gelesen, und wir vervielfältigen die Blätter mit dem gleichen elektrischen Verfahren. In Ihrem Salon wird ein Phonograph stehen. Sie nehmen ein Blatt, legen es hinein und hören eine Sinfonie. Dazu müssen Sie nichts anderes tun als vorher ein Uhrwerk aufzuziehen. Dann wechseln Sie das Blatt und können ein oder zwei Kapitel eines Romans hören oder ein Chanson, ein Duett oder ein Quartett."

Noch aus heutiger Sicht ist dieses Interview bemerkenswert, hat Edison hier doch mal eben schnell das Hörbuch imaginiert, das erst mehr als hundert Jahre später populär werden sollte. Und was muss man im Paris des Jahres 1878 baff gewesen sein! Vor allem einer traute seinen Augen kaum, aber aus ganz anderen Gründen: Léon Scott. Hatte nicht er das Aufzeichnungsgerät erfunden, mit dem Edison nun Furore machte? Zugegeben, der Amerikaner hatte es um die Kleinigkeit der Wiedergabe weiterentwickelt.

Die Erfindung kostet ihn 8000 Franc, 700 Franc nimmt er mit ihr ein

Édouard-Léon Scott de Martinville, angetrieben von der Wut des zu Unrecht Vergessenen, veröffentlicht eine 78-seitige Streitschrift, die er Le problème de la parole s’écrivant elle-m ê me nennt, Das Problem des sich selbst schreibenden Wortes. An alle seine Verdienste erinnert er, schmäht Edison als Plagiator und stellt sich in eine Reihe mit den größten Forschern und Entdeckern von Gutenberg bis Watt, von Newton bis Arkwright, dem Erfinder der wassergetriebenen Spinnmaschine.

Hier fühlt sich ein Mann, dem es an Ehrgeiz nicht gefehlt hat, um die Früchte seiner Arbeit gebracht. Seine Bilanz klingt bitter: "Vor einiger Zeit, am Ende meiner Möglichkeiten und entmutigt, habe ich den Zahlungstermin für meine Patentgebühren verstreichen lassen und meine Erfindung der Öffentlichkeit übergeben. Mein Werk hat mich 8000 Franc gekostet, viel Hin und Her, Diskussionen sonder Zahl, und ich habe 700 Franc eingenommen… Heute, mit meinen sechzig Jahren, muss ich mühsam kämpfen, um meine Familie zu ernähren."

So hat er nur noch einen Wunsch: "Ich flehe die guten Bürger an – und es gibt sie noch, Gott sei Dank –, dass sie in dieser Geschichte meinen Namen nicht vergessen, denn ich bin jetzt alt, Vater zweier Söhne, und das Einzige, was ich ihnen hinterlassen kann, ist der Ruf meines Namens."

Im April 1879 stirbt Édouard-Léon Scott de Martinville in Paris an einem Schlaganfall.

Acht Jahre später erfindet ein aus Hannover nach Amerika ausgewanderter Deutscher das Grammophon und die Schallplatte, die Edisons Phonographen und seine klobigen, rumpelnden, in der Sonne schmelzenden Walzen (sie sind inzwischen aus Wachs) sehr schnell sehr alt aussehen lassen. Der große Neuerer, Stammvater aller DJs, heißt Emil Berliner. Aber das ist eine andere Geschichte.

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