Früher waren die Täter stets unbekannt. Sie schossen auf das Fahrzeug von Morgan Tsvangirai oder versuchten, ihn aus dem zehnten Stock eines Hochhauses zu werfen. Anonym war auch der Anschlag im Oktober 2000, ein paar Tage nach einem Gespräch mit der ZEIT, als eine Handgranate vor seinem Büro explodierte. Heutzutage kommen die Schergen des Regimes ganz offiziell in Polizeiuniformen, um den prominentesten Oppositionspolitiker von Simbabwe zu misshandeln. Vorigen Sonntag prügelten sie ihn so heftig, dass er mehrmals die Besinnung verlor.

Tsvangirai ist der unbeugsamste Widersacher von Präsident Robert Mugabe, der Simbabwe in eine Einparteiendiktatur verwandelt und in unersättlicher Machtgier sein einst blühendes Land zerstört hat: Die Wirtschaft ist flächendeckend ruiniert, die Inflationsrate liegt bei 1600 Prozent – die höchste der Welt. In die Dörfer ist der Hunger zurückgekehrt.

Simbabwe war einmal ein Vorzeigestaat im postkolonialen Afrika. Eine kriminelle Machtclique hat ihn zu einer der brutalsten Despotien unserer Zeit pervertiert. Regimegegner werden verfolgt, gefoltert, umgebracht. Nun war Tsvangirai wieder einmal an der Reihe. Und wie reagiert die internationale Gemeinschaft? Mit mattem Protest und windelweichen Sanktionen. Mugabe ist eben keine Gefahr für die Außenwelt. Sein Terrorismus richtet sich nach innen, gegen das eigene Volk. Bartholomäus Grill

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