Könnte ein Schriftsteller mit seinem Gesamtwerk und nicht nur als Lyriker englischer Poeta laureatus werden, so müsste die Wahl auf Peter Ackroyd fallen. Unablässig hat sich der 1949 Geborene den zentralen Ikonen der britischen Kultur genähert, ob in Romanen über Milton, Chatterton und Wilde oder in Biografien, die nicht nur Autoren wie Dickens, Eliot und Blake, sondern London und Albion selbst galten.

Was konnte der unermüdliche Autor dem noch hinzufügen? Es blieb also Shakespeare. Auch wenn der Untertitel Die Biographie unbescheiden daherkommt, hat Ackroyd seine Aufgabe mit Bravour gelöst.

Wer sich heute daranmacht, eine Shakespeare-Biografie zu schreiben, hat drei Probleme: Erstens gibt es sehr viele Biografien, zweitens sehr wenige, dazu noch ungesicherte Fakten. Und drittens war Shakespeare, den es in 80 Varianten von Schakosper bis Saxper gibt, vielleicht gar nicht der Stratforder, sondern ein anderer. Doch Ackroyd hat sich nicht beirren lassen. Er hat das Beste und Verlässlichste aus den Biografien von Schoenbaum bis Greenblatt genutzt, das Spärliche mit plausiblen Kontexten versehen, er hat Shakespeare den Plural eingeräumt und doch als Shakespeare gelassen.

In seinen Stücken ist er immer die anderen, König, Spaßvogel, schlagfertiges Mädchen, Dummkopf, Totenschädel und Hamlet. Ein bisschen ist Shakespeare natürlich auch Ackroyd: Wir sehen ihn viel und leicht schreiben über die zentralen Ikonen des Königreiches, und dann schleicht sich eine Note des Pathetischen ein.

Der permanente Selbstwiderspruch: Schauspieler, Poet, Geschäftsmann

Ackroyds Shakespeare erscheint insgesamt aber als ein permanenter Selbstwiderspruch: ein ungemein produktiver, fantasievoller Dichter und Schauspieler, zugleich kühl denkender Geschäftsmann, der schnell vor Gericht zieht, wenn ihm jemand ans Eigentum will. Ackroyds Methode besteht darin, einen Pufferstaat der Möglichkeiten aufzubauen, die weichen Kissen des Vielleicht, in denen er das immer noch rätselhafte Leben des Stratforders auffängt. Wir sehen den Knaben in der Grammar School die Klassiker lesen, aber auch mit dem Täschner- und Gerberhandwerk des Vaters und anderen Berufen vertraut werden - das gibt unter anderem die Sprache seiner Stücke her. Wir sehen ihn schauspielern und eine einmalige Theatertruppe aufbauen.