Ende letzten Jahres ist im Chessgate-Verlag ein Schachbuch der besonderen Art erschienen, sowohl was die Güte als auch was die Originalität angeht: Expeditionen in die Schachwelt. Der Verfasser ist der Stuttgarter Mathematikprofessor Christian Hesse.

Eine von Hesses Vorlieben ist die Ästhetik des Problemschachs und hier vor allem das "Phönix-Thema". Dieser mythologische Vogel, der besonders im alten Ägypten verehrt wurde, legte immer wieder Feuer an sein eigenes Nest, um aus den Flammen wiedergeboren aufzusteigen, Tag für Tag von Neuem. Wie in spirituellen Lehren: Um wahrhaft (den Augenblick) zu leben, müssen wir unaufhörlich sterben.

Beim Phönix-Thema im Schach werden Bauern wiederholt bei Erreichen der achten Reihe in dieselbe Figur umgewandelt, die sich stets opfert, um eine neue Generation aus der Taufe zu heben: Phönix aus der Asche.

Unter den Phönix-Problemen gefällt Hesse (und mir) die Fassung des Niederländers Theodorus Cornelius Louis Kok aus dem Jahre 1935 besonders.

Weiß zieht an und setzt im 15. Zug matt, wobei er natürlich die der Stellung inhärente Pattgefahr vermeiden muss – insgesamt vier Mal ersteht die neue und doch immer wieder gleiche Figur aus der Asche, um schließlich den schwarzen König in seinem Kerker zu Tode und so zu einem neuen Leben in einer neuen Partie oder Aufgabe zu bringen.

Dem armen Schwarzen bleiben nur Zwangszüge. Wie gehts?

Helmut Pfleger

Auflösung aus Nr. 11:
Mit welcher kleinen (Opfer-)Kombination beraubte Schwarz am Zug seinen Gegner aller Hoffnungen? Das Scheinturmopfer 1…Th1+! musste Weiß wohl oder übel annehmen, stand aber nach 2.Kxh1 Sf2+ 3.Kg1 Sxd1 klar auf Verlust: Es folgte noch 4.Lc1 Sb2! 5.Kf2 Sxa4 6.Lf4 Sc3 7.Kf3 a5 8.Ld2 Sb1 9.Lf4 a4 10.Lxd6 d2 11.Ke2 Sc3+, und Weiß gab wegen 12.Kxd2 Se4+ nebst 13…Sxd6 auf

Die Sammlung - Alle Spiele des Lebens im Überblick "