An großen ehrgeizigen Plänen mangelt es nicht. Das Kosovo verändert sein Gesicht. Die von Müll gezeichnete Oberfläche des Landes, der Unrat vor jedem Haus, der fast unvermeidlich scheinende Abfall hinter jedem Auto und jedem Fußgänger wird seit einiger Zeit hart bekämpft.

Der private TV-Kanal 21 strahlt jeden Samstagmorgen die Sendung ne fokus aus, in der Umweltsünder angeprangert werden mit möglichen Folgen für die Täter, gesellschaftlich und auch juristisch.

Aber die Arbeiten an all dem, was die internationalen Aufbauhelfer um den Vermittler Martti Athissari dringlich von den Bürgern des Kosovos fordern, haben noch nicht begonnen. Die Flagge, das Logo und die Hymne des Landes sind noch nicht fertig. Diese Symbole sind wichtig, damit sich alle Bürger des Kosovos heimisch fühlen können, nicht nur Albaner (bis zu neunzig Prozent der Bevölkerung). Auch Serben, Roma, Türken und Bosnier.

Dieses Land hat sich zu lange im von der UN-Verwaltung (Unmik) überwachten Dornröschenschlaf befunden. Die UN haben lange Zeit zu wenig getan, um das Kosovo aufzuwecken. Doch jetzt ziehen sich die UN-Berater langsam zurück. Joachim Rücker, der vorsichtige und kluge Chef der UN-Verwaltung, empfing vor Kurzem noch einmal den Chef der kosovarischen Parallel-Regierung von Ramush Haradinaj, bevor dieser seiner Vorladung vor das Kriegsverbrechertribunal für das ehemalige Jugoslawien in Den Haag nachkam. Solche grellen Kontraste gehören zum Alltag in der Provinz, die lange Zeit am Rand des Bürgerkriegs stand.

Leider jedoch ist vielen Kosovaren immer noch nicht klar, dass die Unabhängigkeit kein Paradies ist, das für sie endlich geöffnet werden sollte, sondern der Beginn härtester Arbeit für die ganze Bevölkerung.

Einige Kosovaren hingegen erkennen, dass das Paket des Vermittlers Martti Athisaari das beste ist, was die Kosovaren für sich herausholen können. Das ist, so scheint es, der Einbruch des Realitätsprinzips in die mystische Welt des Kosovos.

Der erfahrene Journalist und Parteiführer Vetton Surroi ist deshalb am 10. März nicht nach Wien zu Verhandlungen mit den Serben geflogen, sondern nach New York. Als Gast der Afrika-Ländergruppe und der Gruppe der islamischen Staaten bei den UN hat er für das Kosovo lobbyiert.