DIE ZEIT: Die wachsende Angst vor der Erderwärmung beschert den Bürgern derzeit eine Flut von Energiespartipps. Werden die Deutschen jetzt zu einem Volk von Klimaschützern?

Birger P. Priddat: Natürlich nicht. Würden die Menschen sich solche Tipps und Ermahnungen zu Herzen nehmen, müssten sie ihr Konsumverhalten kritisch reflektieren. Aller Erfahrung nach tun die meisten das aber nicht, selbst wenn sie abends in der Kneipe viel darüber reden. Denken Sie nur an die fast regelmäßigen Lebensmittelskandale: Viele Leute sagen dann, sie würden weniger Fisch oder Fleisch essen. Tatsächlich tun sie es vielleicht zwei Wochen lang. Wenn sich die öffentliche Aufregung gelegt hat, kehren die meisten zu ihren alten Konsumgewohnheiten zurück.

ZEIT: Die meisten?

Priddat: Die große Welle verebbt schnell. Nur zehn, fünfzehn Prozent beginnen, ihr Verhalten zu ändern und reflektierter zu konsumieren.

ZEIT: Immerhin.

Priddat: Ja, längerfristig hat diese Minderheit zum Beispiel dafür gesorgt, dass etwas mehr Qualitätsbewusstsein in die Nahrungsgewohnheiten der Deutschen gekommen ist. Teurere Biowaren gibt es inzwischen sogar bei Aldi und in vielen Supermärkten.

ZEIT: Können die Ratschläge in puncto Klimaschutz also doch etwas bewirken?

Priddat: Mag sein. Ich warne nur davor, auf schnelle Erfolge zu hoffen. Der Klimaschutz hat es zwar jetzt in die Schlagzeilen der Zeitungen geschafft; er bestimmt aber noch längst nicht das Verhalten der Millionen Autofahrer oder Hausbesitzer.

ZEIT: Warum nicht?