Das könnte wichtig werden in einer Gesellschaft zunehmender Ungleichheit. Denn menschliches Handeln kann eben nicht nur mit ökonomischen, zweckrationalen Kalkülen erklärt werden. Werte, Routinen, Images sind gleichfalls von Bedeutung. Allmendinger an der Spitze des WZB wäre nun gerade keine Sozialwissenschaftlerin, die gegen die Ökonomen antritt, sondern die beide Sichtweisen zusammenführen kann. So hat sie es schon am IAB gemacht. Und das WZB vereint wie kaum ein anderes Institut Wirtschaftsforscher und Gesellschaftswissenschaftler. Das Institut verändert sich; Allmendinger ist daran bereits beteiligt, sie war oft in Berlin in den vergangenen Monaten und nahm an den wichtigen Gesprächen im WZB teil. Die Abteilung »Organisation und Wissen« wird umgewidmet zu »Gesellschaft und wirtschaftliche Dynamik«, schon heute befassen sich zwei weitere der vier Schwerpunkte am Institut mit wirtschaftlichen Themen. Das Führungspersonal wird seit 2001 schrittweise fast komplett ausgewechselt. Allmendinger will verstärkt den wissenschaftlichen Nachwuchs fördern. Das WZB ist in Bewegung, und die neue Chefin kann hier eine Richtung geben. Wenn sie führt, statt am Schreibtisch zu sitzen und zu schreiben.

Forsche Soziologin
Jutta Allmendinger wird 1956 in Kassel geboren. Sie studiert Soziologie in Mannheim und wechselt später nach Wisconsin in die Vereinigten Staaten, wo sie das Nebenfach Volkswirtschaft belegt. In Harvard promoviert sie. Zwischen 1988 und 1991 arbeitet Allmendinger am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin, danach als Gastwissenschaftlerin an der Harvard Business School. 1992 wird sie Professorin an der Universität München. Hier lässt sie sich 2003 beurlauben, um die Leitung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg zu übernehmen. Allmendinger ist Teil des Autorenteams des Familienberichts der Bundesregierung und trug somit dazu bei, die Familienpolitik ins Zentrum der öffentlichen Debatte zu rücken. Seit 2006 gehört sie dem Wissenschaftsrat an. Allmendinger wird als neue Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin berufen, wo sie dem Historiker Jürgen Kocka nachfolgt. Am 1. April 2007 tritt sie ihr neues Amt an.

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