Eine »ungeteilte« Nachkriegsgeschichte kündigt Peter Bender an, paradox, möchte man meinen, geht es doch um die Geschichte zweier gegensätzlich organisierter, lange Zeit hindurch gegeneinander agierender Staaten. Bender löst die Paradoxie auf in einem überzeugenden Ansatz. Es genüge nicht, schreibt er, beide nebeneinanderzustellen, sondern man müsse sie von denselben Gesichtspunkten aus ins Auge fassen: »Deutschland war mehr als die Summe seiner Teile«.

In dieser Perspektive, die die Unterschiede nicht verschwimmen, sondern im Gegenteil deutlicher und verständlicher hervortreten lässt, gelingt Bender eine Darstellung, die durch Objektivität und Gedankenreichtum besticht. Zwei elementare Voraussetzungen bestimmten das Leben der Deutschen: die gemeinsam durchlebte nationalsozialistische Diktatur und die aus dem Verlust des von Deutschland verschuldeten Krieges folgende Teilung des Landes in Besatzungszonen.

Der Vergleich zeigt zunächst, dass die Abrechnung mit dem Nationalsozialismus und seinen Trägern in der sowjetisch besetzten Zone radikaler erfolgte als in den Westzonen, wo man das Problem eher lax anging und sich nach Kräften um Milderung der alliierten Maßnahmen bemühte. Das Bild änderte sich jedoch in dem Maße, wie der Antifaschismus der DDR in Heroisierung und Ritualisierung erstarrte, während man im Westen dazu überging, die Wiederkehr des Nationalsozialismus nicht so sehr durch die Bekämpfung des Alten zu verhindern, sondern durch die Entwicklung von Neuem: durch die feste Verankerung von parlamentarischer Demokratie, Rechtsstaat und Grundfreiheiten.

In chronologischer Abfolge erzählt Peter Bender die Geschichte der Deutschen vom gemeinsamen Ausgangspunkt 1945 über ihre Gegnerschaft im Kalten Krieg, die allmähliche Zuwendung im Zeichen der Entspannung, die Jahre koexistenziellen Nebeneinanders bis zur Vereinigung und ihren Folgen. Eindeutig erwies sich die Überlegenheit des ökonomisch leistungsfähigeren, demokratischen Gesellschaftssystems der Bundesrepublik über die starre Parteidiktatur der DDR. Bender arbeitet das überzeugend heraus, macht es sich gleichwohl in seiner Darstellung nicht einfach. Weder Idealisierung des westdeutschen Siegeszuges noch unterschiedslose Verteufelung eines Unrechtsstaates im Osten sind seine Sache. Er benennt Fragwürdigkeiten und Inkonsequenzen auf dem Weg der bundesdeutschen Demokratie, zeigt Verständnis für Leben und Arbeit von Menschen in Ostdeutschland.

Fast ein Viertel des Textes widmet der Autor der Vereinigung. Er stellt den Niedergang der DDR in den größeren Zusammenhang der Erosion des sozialistischen Gesellschaftssystems in den Ostblockstaaten. Überall ließ die Bindekraft der immer nur von einer Minderheit vertretenen Ideologie des Marxismus-Leninismus nach, kam die Leistungskraft der Ökonomie an Grenzen, wuchs der Unmut immer größerer Teile der Bevölkerung gegen das System von Mangel, Einschränkung und Bevormundung. Den Anfang machten die Polen mit der Gründung einer unabhängigen Gewerkschaft. Es folgten die Ungarn mit demokratischen Reformen.