Fliegenfischer sind anders als andere Angler. Sie stehen hüfthoch im kalten Wasser und warten auf Beute. Beißt ein kapitaler Lachs, kann der Kampf zwischen Mensch und Tier Stunden dauern. Und hat der Fischer den Fisch dann besiegt – setzt er ihn zurück in sein Element. BILD

Peter Sawicki ist Fliegenfischer.

Einer, der langen Atem hat. Einer, dem es auf den sportlichen Wettkampf ankommt und nicht auf Vernichtung – sagen Freunde wie der Kölner Arzt und SPD-Politiker Karl Lauterbach. Sawickis Gegner würden das Hobby sicher ganz anders interpretieren, Deutschlands Gesundheitslobbyisten etwa. Sie fühlen sich von ihm belauert und bedroht und fragen sich, wann der Mann sie endlich vom Haken lässt.

Darauf werden sie wohl noch eine Weile warten müssen. Denn Sawicki hat gerade erst angefangen. Vor zweieinhalb Jahren übernahm er die Leitung des von Anfang an umstrittenen Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) in Köln. Erst jüngst haben die Gesundheitsreformer versucht, den Auftrag des Instituts feinzujustieren, was zu neuem Streit führte. Eins aber steht immerhin fest: Die Aufgabe ist olympisch. In einer alternden Gesellschaft, in der ein wachsendes Arzneiangebot auf knappe Kassen trifft, soll das IQWiG darüber urteilen, welche Medizin ihr Geld wert ist. Sawickis Gutachten liefern die Entscheidungsgrundlage dafür, was die gesetzlichen Krankenkassen künftig erstatten.

Sawicki ist ein drahtiger Fünfzigjähriger, dessen Gesichtsfarbe man durchaus ansieht, dass er seine Hobbys im Freien ausübt. In seinem Büro findet sich nichts außer zwei Computern, einem Sozialgesetzbuch, einem Leuchtstift und einer Dreifach-Portion Post-its, um Textstellen zu markieren. Der große, leere Raum signalisiert, dass sich hier einer auf Fakten konzentrieren will.

Als Sawicki noch Chefarzt am Kölner St.-Franziskus-Hospital war, machten viele Arzneivertreter einen Bogen um ihn, erinnert sich Oberarzt Eberhard Jennen. »Bei ihrem Chef können wir nicht landen«, hieß es dann. In diesen Jahren schrieb Sawicki auch regelmäßig fürs arznei-telegramm. Das war damals ein hektografiertes Blatt für die Ärzteschaft, das – anders als die hochwertiger gedruckten Fachmagazine – bis heute ohne Anzeigen der Arzneiindustrie auskommt und sich kritisch mit den Wirkungen und Nebenwirkungen von Pillen auseinandersetzt.

Die wenigsten Studien genügen seinen Ansprüchen