Haben Sie zufällig 91.250 Euro, dazu 14.135 für ein paar Extras, also insgesamt 125.000 (Merkel-MwSt. inklusive)? Dann könnten Sie sich – diese Tester geben es bar jeden Klassenbewusstseins zu – ein prächtiges Gefährt kaufen, das immerhin noch ein paar Cent billiger ist als ein Rolls oder ein Bentley.

Ein Problem aber hat der CL 500 doch: Er eignet sich nicht fürs heitere Ratespiel in engen Gassen ("Schrammt er, oder schrammt er nicht?"); dazu ist dieser Benz zu breit. Oder genauer: Man weiß nicht mit letzter Gewissheit, wo die Karosse links und rechts, hinten und vorne aufhört – es sei denn, man glaubt den aufdringlich piepsenden Sensoren. Ein Unterproblem ist die sehr breite Coupétür, klafft die doch so weit auf, dass sich Bruder Mensch zum Schließen von innen einen sehr langarmigen Schimpansen auf dem Schoß wünscht. Dann wäre da noch das Handbuch, 520 Seiten lang, das sich so spannend liest wie das Bundesgesetzblatt.

Ist diese kurze Nörgelliste abgehakt, wird die Kritik schwierig, das Loben einfach. Beginnen wir mit dem Achtzylinder-Motor; der ist leiser als das Heizungsgebläse. Die Siebengang-Automatik? Schaltet so weich, wie der Zephyr weht. Wer den Pseudo-Kick des Handbetriebs mag, kann am Lenkrad rauf- und runterschalten. Straßenlage auf der Autobahn? Wie Sänfte, aber nicht wie Sofa; der Kontakt zum Boden bleibt, die allfälligen Erschütterungen durch Querrinnen und Autobahngeröll werden vom Fahrwerk elegant geschluckt. Insgesamt ein bravouröser Kompromiss, bei dem es den Ingenieuren gelungen ist, die Stabilität während der flotten Kurvenfahrt nicht durch brettharte Federung zu erkaufen.

Den merkwürdigen Kürzeln ESP und ASR, die uns seit Jahren Rätsel aufgeben, hat Daimler noch ein drittes hinzugefügt: ABC, "Active Body Control". Dieses System dient nicht der körperlichen Ertüchtigung durch einen eingebauten personal trainer, sondern der automatischen Niveauregulierung je nach Tempo, um so den Benzinverbrauch zu drosseln (je schneller, desto tiefer). Außerdem scheint das ABC das Nach-vorne-Einknicken beim Bremsen zu dämpfen, was gut für Coiffure und Contenance ist. Und für den Kaffee im Halter auch. Der "Doppelcupholder vorne" ist zwar ein Extra, kostet aber laut Liste exakt nix.

Die Bremsen als solche? Tadellos, beträgt doch der Bremsweg von hundert auf null bei diesem Zweitonner nur 37 Meter (kalt). Die Beschleunigung ist die eines ernsthaften Sportwagens: in 5,4 Sekunden auf hundert. Unnötig zu erwähnen, dass die Höchstgeschwindigkeit commentgemäß bei 250 Stundenkilometern endet. Den Verbrauch lassen wir aus Pietätsgründen weg.

Aber genug der Technik, die wirklich auf dem neuesten Stand derselben ist. Reden wir lieber vom Stand des Luxus, den allenfalls noch der stärkere Bruder, der zwölfzylindrige CL 600, zu überbieten vermag. Er beginnt beim Türzuschlagen. Damit keine rohe, also unluxuriöse Muskelgewalt eingesetzt werden muss, senkt sich die Scheibe zwei Fingerbreit, um die komprimierte Innenraumluft entweichen zu lassen. Dann schließt sie wieder.