Sehr geehrter Herr Markus Söder, Sie sind Generalsekretär der CSU und haben in der sogenannten Höschen-Affäre das Verhalten der Ländrätin Gabriele Pauli scharf missbilligt. Dies können wir so nicht hinnehmen. Frau Pauli ist eine schöne Frau und hat sich nichts zuschulden kommen lassen. Sie hat lediglich dem Lifestyle-Magazin Park Avenue ihr Herz ausgeschüttet und ein kleines Missgeschick gebeichtet. Das ist selbst in Bayern nicht verboten. Die Wahrheit über Frau Pauli lautet: Nachdem die mutige Rebellin und passionierte Motorradfahrerin Ihren CSU-Chef Edmund Stoiber vom Thron gepustet hatte, wollte sie sich zur Erholung etwas Wind um die Nase wehen lassen. Herr Söder, so ein Ausflug mit dem Motorrad muss erlaubt sein.

Es war sehr heiß, Ihre Parteigenossin brauchte obenrum nicht viel anzuziehen. Doch verflixt, zu dumm! Auf halber Strecke zwischen Zirndorf und Oberammergau bleibt Frau Paulis Maschine plötzlich liegen, Ölwechsel fällig. Mitten in Gottes freier Natur, keine Hilfe nirgends. Schon bald kreisen die ersten Geier über der Unfallstelle. Doch selbst ist der Mann! Vorschriftsmäßig zieht Frau Pauli schwarze Latex-Handschuhe an, so wie sie auch Onkel Detlev in seinem Hobbykeller gern benutzt. Eine Domina-Maske schützt ihr Gesicht vor heißen Ölspritzern. Beherzt legt Frau Pauli Hand an die große Maschine. Ein Griff nach unten, und schwups ist die Ölablass-Schraube gelockert, das Altöl kann abfließen. Erleichterung! Inzwischen ist die Hitze unerträglich, in Strömen rinnt der Schweiß über die hübsche Stirn. Frau Landrätin fühlt sich mutterseelenallein, dem Hitzeschlag nah. Die Redaktion von Park Avenue hat recht: In dieser verzweifelten Lage tut Frau Pauli das einzige Richtige. »Sie zieht Ihr Höschen aus und lässt es diskret in ihrer Handtasche verschwinden.«

Herr Söder, wo waren Sie in diesem Augenblick, als Ihre überhitzte Parteigenossin Hilfe nötig hatte? Beim Papst? Beim Ablasshandel? Ihre Partei führt das Wort von der Nächstenliebe im Munde wie ein Lutschbonbon. Doch nicht einmal bei einem Ölwechsel wollen Sie Hilfestellung geben. Frau Pauli befand sich in großer Not, die Fotos beweisen es. Zum Glück war an dem Tag kein Problembär unterwegs, von denen es in Bayern ja nur so wimmelt. Was hätte der bekanntesten CSU-Politikerin nicht alles zustoßen können! Herr Söder, in der Höschen-Affäre haben Sie sich nicht mit Ruhm bekleckert. Sie werden zu einer Belastung für Ihre Partei. Treten Sie zurück, und gehen Sie beichten. Hochachtungsvoll, Ihr Finis