Regulierungsdruck. Nach spektakulären Pleiten, Bilanzmanipulationen und Betrügereien der vergangenen Jahre sind börsennotierte Unternehmen weltweit einem verschärften Regulierungsdruck ausgesetzt. Viele Vorstände und Aufsichtsräte fühlen sich von Insidergesetzen, verschärften Berichtspflichten und Corporate-Governance-Regeln in ein enges Handlungskorsett gezwängt. Wer auf Nummer sicher gehen will, lässt jede öffentliche Äußerung, die auch nur im Entferntesten für den Aktienkurs relevant sein könnte, von Rechtsanwälten absegnen.

Den Managern internationaler Konzerne ist vor allem das amerikanische Sarbanes-Oxley-Gesetz ein Dorn im Auge. Damit hat der US-Gesetzgeber börsennotierten Unternehmen scharfe Regeln auferlegt, die bei Verstößen mit harten Strafen geahndet werden können. Damit sollte bei Geldanlegern und Investoren das angeschlagene Vertrauen in die Richtigkeit und Zuverlässigkeit von Geschäftsberichten und die Glaubwürdigkeit der Aktienbörsen wiederhergestellt werden. Unternehmen wie Siemens und Deutsche Telekom, deren Aktien auch an der New Yorker Börse gehandelt werden, sind davon ebenso betroffen wie amerikanische Firmen.

Renditehungrige Investoren. Seit der Ausbreitung der Shareholder-Value-Idee drängen Großanleger wie Pensions- und Investmentfonds, Private-Equity- und Hedgefonds börsennotierte Unternehmen immer aggressiver auf die Steigerung von Gewinn und Rendite. Das fördert das kurzfristige Denken an der Unternehmensspitze. Das schnelle Geld bekommt Vorrang vor der lang ausgelegten Perspektive, die aber für die Zukunft des Unternehmens wesentlich ist.

Angst vor der Übernahme. Nie zuvor wurden so viele Unternehmen von anderen Unternehmen übernommen wie 2006. Der britische Informationsdienstleister Thomson Financial zählte weltweit fast 37000 angekündigte und knapp 24600 abgeschlossene Firmenübernahmen. Rund ein Drittel der abgeschlossenen Übernahmen fand in Europa statt. Allein in Deutschland gingen 1075 Unternehmen in andere Hände über.

In diesem Haifischbecken, in dem das Gesetz "Fressen oder gefressen werden" gilt, strebt jeder nach schnellem Wachstum und hohen Gewinnen, damit der Aktienkurs steigt. Je teurer ein Unternehmen an den Aktienmärkten gehandelt wird, umso besser glauben sich die Vorstände vor Übernahmen geschützt. Doch die Kassen der möglichen Käufer sind prall gefüllt. Die Gewinne der Unternehmen erreichen Rekordniveau, und Großinvestoren haben der Private-Equity-Branche allein im vergangenen Jahr 400 Milliarden US-Dollar zugesagt.

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