Berlin

Zwölf Apostel zu finden ist gar nicht so einfach, zumal wenn man nicht Jesus von Nazareth ist, sondern Pfarrer in Berlin-Niederschönhausen. "Das ist immer ein Würgen, bis man die Zahl vollbekommt", erzählt Jörg Wittig. Dabei erwartet die Freiwilligen nichts Schlimmes. Sie sollen sich lediglich die Füße waschen lassen.

Jahr für Jahr, seit 1992, schart er am Gründonnerstag zwölf Männer um sich. Gestandene Männer, wie er sagt, denn sie sollen in große Fußstapfen treten. Sie stehen für die Jünger, mit denen Jesus ein letztes Mal zu Abend isst, wissend, dass ihn einer der Getreuen noch in der gleichen Nacht seinen Mördern ausliefern wird.

Jede Messe erinnert an dieses letzte Mahl, wenn der Priester, dem Auftrag Jesu folgend, spricht: "Tut dies zu meinem Gedächtnis." Am Gründonnerstag aber zeigen Pfarrer Wittig und die zwölf Gestandenen, was geschah, bevor Jesus das Brot brach.

Schon im Mittelalter wuschen Bischöfe und Fürsten Armen und Alten die Füße, als Zeichen, dass sie eben doch nicht die Höchsten sind. Sklavenarbeit war das zu Jesu Zeiten, und absolut notwendig. Um den Straßendreck kam damals auch ein herrschaftlicher Fuß nicht herum. Und da die Füße beim Zu-Tisch-Liegen quasi auf dem Präsentierteller lagen, reichte es eben nicht, die Hände zu waschen – "eine Frage der Zumutbarkeit", sagt der Pfarrer.

Dass Gottes Sohn ihm seine dreckigen Füße wäscht, geht Simon Petrus entschieden zu weit: "Niemals sollst du mir die Füße waschen!" Aber Jesus zeigt ihm, gerade indem er sich erniedrigt, wer der Chef ist: "Wenn ich dich nicht wasche, hast du keinen Anteil an mir." Petrus versteht das nicht, und Jesus vertröstet ihn: "Später wirst du es begreifen."