Bei Hunden gilt in der Regel: je kleiner, desto bissiger. Seit alters ist das Hosenbein des Terriers Freude, während der Mastiff, der ungefähr das Dreißigfache auf die Waage bringt, majestätisch wie ein Löwe in unerschütterlicher Hosenferne sein jupitergleiches Schweigen wahrt. Deshalb sagt man den Terriern auch einen Napoleonkomplex nach, während die Molosser, zu denen die Hundegiganten gehören, eher in Oblomow ihr verschwiegenes Leitbild haben und darum gerne auf Kanapees den Tag verschlafen.

Ich kannte einen Familie, deren Bordeauxdoggendame namens Deborah nicht nur ein eigenes Bett, sondern ein eigenes, über und über mit Kissen vollgestopftes Zimmer hatte, während die magersüchtige Tochter des Hauses fakirgleich auf einer Holzpritsche nächtigte. Dreimal dürfen Sie raten, wer die bessere Laune hatte und mit wem Sie lieber Gassi gegangen wären. Jedenfalls war es nicht die zanksüchtige Tochter, die zu romantischen Mondscheinausflügen animierte. Das ist übrigens in einer Firma oder vergleichbar zerrütteten Überlebenspartnerschaften nicht anders. Schau auf die Waage, und du wirst sehen, wer der cholerische Chef ist.

Untergewicht ist immer Trumpf! Der vermeckerte, magenkranke Hausmeister wird allein durch die Kraft, die aus der Übellaunigkeit kommt, den stärksten Vorstandsvorsitzenden auf die Plätze verweisen. Schlimmer ist es allerdings umgekehrt. Denken sie sich einen Chef, der zur Machtfülle des Amtes noch über die Tücke der Unterernährung verfügt! Der wie ein Rehpinscher fortwährend kläfft, vor Kälte zittert und noch dazu ständig übersehen wird. Ein solcher cholerischer Zwergchef wird auch dann noch, wenn Sie ihn aus Versehen tottreten, über Sie triumphieren, insofern sein Tod Sie ins Gefängnis bringt. Hütet euch vor den kleinen Männern, pflegte meine Mutter meinen Schwestern zu sagen. Ich will nicht sagen, dass meine Schwestern unbedingt das große Los zogen, indem sie sich an diesen Ratschlag hielten, aber jedenfalls sind heute weder sie noch ihre Gatten tot beziehungsweise im Gefängnis gelandet. Ich versuche derweil als guter Onkel Schokoladenriegel an meine Nichten und Neffen zu verteilen, damit sie nicht aus Mangel an mehrfach gesättigten Fettsäuren zu Managern, Pekinesen, Unternehmensberatern, Zwergpudeln, Leichtathleten, Bolognesern oder anderen untergewichtigen Unheilsbringern werden.