Carl-Johan Francke rät Anlegern, auf den Klimawandel zu setzen. Wenn der Preis für klassische Energieträger wie Öl, Gas und Kohle steige, dann sei die große Zeit für alternative Energie gekommen. Privatanleger wittern Rendite – das Volumen in nachhaltigen Fonds hat sich verdoppelt BILD

Die passenden Produkte hat er selbstverständlich zur Hand. Im Auftrag des Schweizer Vermögensverwalters Sustainable Asset Management (SAM), eines auf nachhaltige Anlagen spezialisierten Finanzhauses, reist er mit Kollegen quer durch Deutschland, um institutionelle Anleger in Hannover, Berlin oder München von den Chancen seiner Klima-Strategie zu überzeugen.

SAM ist beileibe nicht der einzige Vermögensverwalter, der ökologisch wertvolle Finanzprodukte unters Volk bringen will. Nachhaltige Investmentfonds und Zertifikate werden immer beliebter – solche, die sich mit dem Klimawandel oder mit erneuerbaren Energien beschäftigen, aber auch solche, die nach ethischen oder sozialen Mustern gestrickt sind. Allein im vergangenen Jahr hat sich das Investitionsvolumen dieser Fonds auf 14 Milliarden Euro verdoppelt – und nur ein kleiner Teil davon ist auf Wertzuwachs zurückzuführen.

Kein Wunder, dass Banken und Fondsgesellschaften ein rentables Geschäft wittern. Und viele versprechen den Anlegern gar bessere Gewinnchancen als bei konventionellen Investments. Zu Recht? Auf den ersten Blick scheint die Antwort ein klares Ja zu sein. Nachhaltig wirtschaftende Unternehmen nutzen zum Beispiel Ressourcen effizienter und sparen deshalb langfristig Kosten. Sie sind auf künftige Verschärfungen des Umweltrechts besser eingestellt und können sich leichter der Gesetzgebung anpassen – und ihnen drohen weit seltener Schadenersatzklagen als der Konkurrenz. So mancher Anlagestratege wertet Nachhaltigkeit gar als Hinweis auf eine besonders gute Unternehmensführung – oder sieht umgekehrt dort Managementrisiken, wo die ökologische oder soziale Komponente fehlt. Demnach erzielen nachhaltig wirtschaftende Unternehmen langfristig höhere Gewinne als ihre Wettbewerber.

Puristen ist das allerdings ein Gräuel. »Wer Nachhaltigkeit darauf reduziert, wie sie sich auf die Bilanz auswirkt, führt sie ad absurdum«, sagt Christoph Butz, Nachhaltigkeitsfachmann beim Schweizer Vermögensverwalter Pictet Asset Management. Verantwortungsvolles Handeln dürfe nicht bloß dem Blick aufs Zahlenwerk folgen, argumentiert Butz. So gesehen bestünde ein Teil der Rendite im schwer messbaren »guten Gewissen«.

Als Beleg dafür, dass nachhaltige Anlagen sich lohnen, wird immer wieder der Natur-Aktien-Index NAI herangezogen. Wer dort reinkommt? Darüber entscheidet der Hamburger Finanzdienstleister Securvita nach strengen Kriterien. Bisher haben nur 30 internationale Aktien die Aufnahme in den Index geschafft. Unter ihnen sind die Titel eines Kaffeerösters, eines Möbelherstellers, eines Medikamentenproduzenten, einer Bank, eines Ingenieurbüros und diverser Solar-, Windkraft- oder Wasseranlagenbauer. Ausgerechnet der besonders konsequent geführte NAI gewann seit 1997 im Durchschnitt jedes Jahr mehr als 15 Prozent an Wert. Die weltweiten Aktienmärkte, gemessen am Index MSCI World, schafften lediglich knapp sieben Prozent.

Doch dieser Vergleich hinkt. Während der MSCI World zeigt, wie sich die Aktien der größten Konzerne der Welt im Durchschnitt entwickeln, sind die im NAI gelisteten Unternehmen, gemessen an ihrer Marktkapitalisierung, eher klein. Viele dieser Small Caps liefen an der Börse in jüngster Zeit besonders gut – unabhängig davon, ob sie nachhaltig waren oder nicht. Weil aber ein besserer Vergleichsmaßstab nicht in Sicht ist, muss einstweilen offen bleiben, welcher Teil des NAI-Wertzuwachses aufs Konto der Nachhaltigkeit geht. Was den Anleger wieder auf seine ursprüngliche Frage zurückwirft: Sind nachhaltige Anlagen nun aussichtsreicher als andere? Oder birgt die Möglichkeit, am Kapitalmarkt Gutes zu tun, doch ein höheres Verlustrisiko?