Auch die Wissenschaft gibt leider nur zum Teil Antwort. Immerhin kommen jüngere Studien zu dem Ergebnis, nachhaltige Anleger müssten keine höheren Verluste akzeptieren als jene, denen ökologische oder soziale Aspekte schlicht egal sind. »Ein gutes Gewissen kostet nichts«, drückt es Alexander Kempf aus, Direktor des Centre for Financial Research an der Universität Köln. Die Frage, ob sich nachhaltige Anlagen finanziell auszahlen, sei aber noch nicht beantwortet. Denn ein Manko haftet allen Studien an: Sie können lediglich die Vergangenheit bewerten oder abstrakte Modellrechnungen aufstellen.

Bei grundsätzlicher Betrachtung stellt sich allerdings heraus, dass Nachhaltigkeit allein keine überdurchschnittlichen Renditen garantiert und auch nicht zwangsläufig mit einem geringeren Risiko einhergeht. Das zeigt die Markowitzsche Portfoliotheorie. Ihr wichtigster Rat an alle Anleger: Streue dein Risiko!

Das Risiko nämlich setzt sich in der Welt der Kapitalmärkte aus zwei Bausteinen zusammen: dem allgemeinen Marktrisiko und dem unternehmensspezifischen Risiko. Das Marktrisiko hängt ab von den Rahmenbedingungen, denen die Börse unterworfen ist und die das einzelne Unternehmen nicht beeinflussen kann, konjunkturelle Entwicklungen zählen ebenso dazu wie Naturkatastrophen. Das Unternehmensrisiko richtet sich nach den Merkmalen der Unternehmen selbst, etwa danach, auf welchen Märkten sie mit ihren Produkten Geschäfte machen und wie zuverlässig sie Gewinne erwirtschaften. Zwar kann dieses Risiko durch eine besonders nachhaltige Wirtschaftsweise beeinflusst werden. Wer dies aber als Aufforderung versteht, sein Vermögen nur noch in alternative Energietitel zu stecken, erhöht seine Verlustgefahr. Platzt seine Wette auf regenerative Energien – etwa weil die Atomkraft wieder an Bedeutung gewinnt –, gehört er schnell zu den Verlierern.

Dagegen hilft die Markowitzsche Streuung. Sie besteht darin, Vermögen auf mehrere Geldanlagen zu verteilen, deren Wert sich unabhängig voneinander entwickelt. Ob es sich um nachhaltige Anlagen handelt, ist dabei zunächst zweitrangig. Im Extremfall lässt Streuung nach Markowitz das unternehmensspezifische Risiko völlig verschwinden. Der Haken: Eine solche komplette Diversifikation raubt dem Anleger jede Chance, eine höhere Rendite zu erzielen als der Markt. Nur eine Auswahl bestimmter Papiere eröffnet ihm die Möglichkeit, die Masse zu schlagen. Das gilt auch für nachhaltige Anleger, denn guter Wille allein wird nicht belohnt.

Wer also mit seinem Geld Gutes tun will, muss genau hinschauen, was hinter dem Nachhaltigkeitsetikett steckt. Ist es ein reiner Branchenfonds, so handelt es sich – siehe oben – tatsächlich um ein besonders riskantes Produkt, das aber auch die Chance auf einen hohen Gewinn bietet, wenn die Wette aufgeht. Am anderen Ende der Nachhaltigkeitsskala stehen die sogenannten Best-in-Class-Ansätze. Um das Risiko zu streuen, integrieren sie sämtliche Branchen ins Portfolio, die auch in konventionellen Vergleichsprodukten enthalten sind. Auch Automobilunternehmen oder Ölproduzenten gelten als nachhaltig, und zwar dann, wenn sie ökologischer, sozialer oder ethischer wirtschaften als ihre Wettbewerber.

Alle anderen Strategien der nachhaltigen Anlage bewegen sich dazwischen. Vielleicht könnten Investoren ihr Investment nachhaltiger gestalten, wenn sie bestimmte Branchen ausschlössen Nachhaltigkeitsstratege Butz zusammen. Aber dann steige auch das Risiko. »Ziel sollte sein, das optimale Verhältnis zwischen Nachhaltigkeit und Risiko zu finden.« Und wo dieses Optimum genau liegt, können Anleger nur selbst entscheiden.

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