Willkommen in einer perfekten Welt. Luftverpester und Menschenschinder haben hier keinen Platz. Energie wird aus Sonne, Wind und Wasser gewonnen. Arbeitnehmer erhalten einen fairen Lohn. Frauen werden gefördert. Die Banken finanzieren Bildungs- und Gesundheitssysteme in der Dritten Welt. Rüstungsfirmen werden boykottiert. Ist das alles nur ein schöner Traum, oder orientiert sich die Finanzbranche tatsächlich an dieser Welt?

Eines ist schon mal sicher: Das Geschäft mit nachhaltiger Geldanlage blüht. Nie hat die Branche so viel eingenommen wie im vergangenen Jahr. Berichte, wonach in 50 Jahren eine Klimakatastrophe droht, falls die Menschheit nicht schleunigst etwas gegen die Erderwärmung unternimmt, haben offenbar viele Anleger aufgeschreckt. In der Hoffnung, etwas zum Klimaschutz beizutragen, haben sie ihr Geld in Nachhaltigkeitsfonds angelegt. Dass diese nebenbei in Aussicht stellen, auch noch eine höhere Rendite zu erwirtschaften als herkömmliche Geldanlagen, spielt wohl nur eine Nebenrolle.

Nicht nur die Renditeziele dieser Fonds sind ehrgeizig. Auch bei ihrer Anlagepolitik geht es längst nicht mehr nur um den Schutz der Umwelt und um die Reduzierung der Kohlendioxidemission wie früher schon bei den Ökofonds. Die großen Probleme dieser Welt, von der Umweltverschmutzung über Aids und Analphabetismus bis hin zum Bevölkerungswachstum, so die Philosophie der meisten Nachhaltigkeitsfonds, können nicht isoliert voneinander betrachtet werden. Wer vom Klima spricht, der muss auch von Armut reden.

18 Milliarden Euro sind zu wenig, um die Welt zu bewegen

Konsequenterweise wählen sie ihre Investitionen nach ökologischen, sozialen und ethischen Gesichtspunkten aus. Insider sprechen von der "Dreifaltigkeit". Jeder der 138 Fonds, die in Deutschland derzeit auf dem Markt sind, hat aber seine eigenen Schwerpunkte. Der eine lässt Rüstungsaktien zu, der andere schließt ausdrücklich Investitionen in Medien aus, weil die Sex- und Horrorbeiträge verbreiten könnten. Und eine ganze Reihe zählen eher zur Gattung der Technologiefonds. Sie investieren vor allem in Sonnenenergie- oder in Umweltaktien, haben aber trotzdem auch ein paar ethische Kriterien in ihren Anlagerichtlinien.