Die meisten Modelle für ein bedingungsloses Grundeinkommen basieren darauf, dass Sozialleistungen wie Arbeitslosengeld, Rente, Sozialhilfe, Wohngeld, Bafög oder Kindergeld abgeschafft werden. An ihre Stelle tritt das Grundeinkommen, das jeder Bürger erhält – unabhängig von Bedürftigkeit, Familienstand oder Arbeitsbereitschaft.

Für viel Aufmerksamkeit sorgt das Konzept des Drogerie-Unternehmers Götz Werner. Nach seinen Vorstellungen sollten jedem Bürger mindestens 800 Euro im Monat gewährt werden, als »Fernziel« nennt er 1500 Euro. Je nach Alter könnten die Beträge auch gestaffelt sein. In jedem Fall müsse das Grundeinkommen mehr als die nackte Existenz abdecken. Finanziert würde es durch den Wegfall anderer Sozialleistungen und durch eine Steuer, die alle anderen ersetzte: die Mehrwertsteuer.

Das Modell des thüringischen Ministerpräsidenten Dieter Althaus (CDU) ist detailliert ausgearbeitet. Nach seinen Vorstellungen bekäme jeder Erwachsene ein »Solidarisches Bürgergeld« von im Regelfall 600 Euro. Ein eigenes Einkommen von bis zu 1600 Euro würde mit 50 Prozent besteuert. Wer mehr verdient, erhält dann nur 200 Euro Bürgergeld, muss auf sein Gehalt aber auch nur 25 Prozent Steuern zahlen. Hinzu kommen 200 Euro, die der Staat für jeden direkt in eine Kranken- und Pflegeversicherung einzahlt. Für Kinder, Rentner oder Behinderte gibt es gesonderte Regeln. Die Finanzierung erfolgt durch Einsparungen bei den heutigen Sozialleistungen. Außerdem tritt neben die neu gestaltete Einkommensteuer eine Abgabe, die Arbeitgeber für ihre Beschäftigten bezahlen – zehn bis zwölf Prozent der Lohnsumme.

Ein mit dem Grundeinkommen verwandtes Konzept ist die sogenannte Sozialerbschaft, die auf Chancengleichheit zielt. Die Sozialwissenschaftler Gerd Grözinger, Michael Maschke und Claus Offe haben die aus den USA stammende Idee auf deutsche Verhältnisse angepasst. In dieser Welt bekommt jeder Bundesbürger vom Staat zu seinem 18. Geburtstag 60000 Euro geschenkt. Als Startkapital, um damit sein Leben zu gestalten. Allerdings ist die Auszahlung nicht bedingungslos: Zugriff auf eine erste Tranche des Geldes haben nur diejenigen, die ein Studium aufnehmen. Alle anderen bekommen lediglich Zinsen ausgezahlt. Ab dem Alter von 21 Jahren kann jeder, der das Abitur oder eine abgeschlossene Lehre vorzuweisen hat, die Auszahlung beantragen. Wer diese Hürden nicht nimmt, erhält sein Geld gar nicht oder erst nach einigen Jahren Berufstätigkeit.

Diese »Sozialerbschaft« soll teils durch Einsparungen bei der Sozialhilfe und dem Arbeitslosengeld finanziert werden. Beide Unterstützungen werden nur gewährt, wenn das individuelle Startkapital aufgebraucht ist. Außerdem fallen eine höhere Erbschaftsteuer und eine Vermögensteuer an. rud

Zum Thema
Schluss mit Arbeitszwang und Sozialbürokratie - Unternehmer und Ökonomen, Rechte und Linke träumen vom Grundeinkommen für alle »

Wirtschaft und Konjunktur - Analysen und Hintergründe »