"Sind Sie deswegen hier?"

Handkes Ton wird bitter. Geht es jetzt wieder los mit den Anfeindungen? Nein, geht es nicht, aber die Frage muss erlaubt sein: Warum Milošević?

"Wenn Sie das nicht verstanden haben, kann ich es Ihnen auch nicht erklären." Einen Moment lang sieht es so aus, als sei das Gespräch beendet. Dann spricht er doch weiter. "Ich wollte Zeuge sein. Mit Milošević endete Jugoslawien. Bei diesem letzten Akt wollte ich dabei sein." Und noch einmal: "Ich bin Schriftsteller, ich habe weiter nichts zu erklären."

War noch was? Ach ja, die Geldübergabe. Sie soll nach dem langen Ostermorgengottesdienst, an dem Handke teilnimmt, vor sich gehen. Wie genau, an wen genau, wie aufgeteilt, wofür genau, das ist bis kurz vorher unklar. Claus Peymann, auch in diesen Dingen erfahrungssatt, macht sich keine Illusionen mehr über den Weg, den Spendengelder gewöhnlich nehmen. Handke will von solchen Gedanken nichts wissen. Die Frage, ob er denn eine Kontrolle über das Geld habe, wehrt er ab: "Die ist nicht nötig. Die Leute hier wissen schon, was sie brauchen."

Die Schule sei in einem erbärmlichen Zustand, da gebe es einen Kostenvoranschlag: 35000 Euro allein dafür. Dann der Dorfplatz, noch mal 10000 Euro, damit sei das Geld schon fast alle. Es scheint tatsächlich so zu sein, wie er gesagt hat: "Ich will das Geld loswerden."

Die Zeremonie geht dahin. Reden werden gehalten. Sehr politische von den Deutschen. Sehr höfliche von den Serben. Und eine ganz kurze Rede. Der prosaische Poet Peter Handke bedankt sich für die Gastfreundschaft und sagt sein Credo: "Die sogenannte Welt ist in Velika Hoča die wahre Welt. Wenn es Velika Hoča nicht gäbe, gäbe es keine wirkliche Welt." Und er hat einen neuen Namen für den Ort – "das Dorf unter dem Himmel".

Das ist es dann. Alle sind fort, die Autos, der Jeep. Der lustige Peymann. Das Dorf ist jetzt still. Seine kleinen, gelbbraunen Hunde mit den müden Augen nehmen den Platz vor der Kirche wieder ein. Die alten Männer mit den schwarzen Mützen gehen langsam umher. Der KFor-Posten auf der Anhöhe ist da und die hohe Feldsteinmauer des verwaisten Weinhofes. Und die Strommasten aus grauem, rissigem Holz stehen auf einmal hier, als seien sie nie fort gewesen.