Der Mensch...
Claudia Kemfert, 1968 in Delmenhorst geboren, leitet die Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) und ist Professorin für Umweltökonomie an der Humboldt-Universität. DFG, Helmholtz- und Leibniz-Gesellschaft ehrten sie 2006 als Spitzenforscherin ("Elf der Wissenschaft").

... und seine Idee
Kemferts Forschungsschwerpunkt ist die ökonomische Bewertung von Klima- und Energiepolitikstrategien. Dazu entwickelt sie Denkmodelle, wie die Welt unter bestimmten Klimabedingungen aussähe – und was das kostet. Sie ist Beraterin von EU-Präsident José Manuel Barroso und arbeitet als Expertin für die Weltbank.

Wenn mancher Forscher mit seiner Arbeit einen Mediensturm erzeugt, ist es bei Claudia Kemfert ein Zyklon. Der 15. März war so ein Zyklonkampftag. Sie gab der FTD ein Interview, den Business News , der Frankfurter Rundschau , dem Tagesspiegel , der Welt , der Süddeutschen Zeitung und sieben weiteren Printmedien. Außerdem wurde sie von WDR, SWR, Spiegel TV, N24, von insgesamt acht Hörfunk- oder TV-Medien, um einen O-Ton gebeten. 21 Interviews an einem Tag. Nun kann man einwenden: Ja, das war ein Pressekonferenztag, da prasseln die Anfragen immer sintflutartig auf die Gefragten herab.

Aber Claudia Kemfert hat im ersten Quartal 2007 schon mehr als 100 TV- und Hörfunkinterviews gegeben, dazu kommen noch einmal 115 Zeitungsinterviews, zirka. Das macht 3,3 Interviews pro Arbeitstag. Und dabei ist sie nicht Regierungssprecherin oder PR-Beauftragte von Angelina Jolie. Sondern Umweltökonomin.

"Als ich 2004 am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung anfing, sagte man mir: Da wird auch ein bisschen Pressearbeit auf Sie zukommen. Ich dachte: Okay. Ein bisschen. Damals hat noch kaum einer über Klima gesprochen. Konjunktur war das Thema der Stunde. Inzwischen hat sich die Relevanz der Themen fast vollkommen gedreht. ›Klima und Energie‹ ist zu einem Modethema geworden wie in der Siebzigern Waldsterben, in den Achtzigern Aids und in den Neunzigern Sars."

Man kann nicht sagen, dass sie bei dieser Aufzählung besonders glücklich schaut. "Na ja, eine solche Hysterisierung hat ja auch immer einen baldigen Überdruss zur Folge. Vom Waldsterben redet heute keiner mehr. Und, noch schlimmer: Eben weil das Thema aus den Medien verschwunden ist, denken viele, es sei auch nicht mehr vorhanden."