Vor Kurzem berichtete ich, wie man durch ein zutiefst betrübtes Gesicht den kurz vorm Sieg stehenden Gegner vielleicht noch einlullen kann. Doch das hilft meist nur ein Mal, prinzipiell vorzuziehen ist ein strategischeres Vorgehen, wie es einst der englische Großmeister Tony Miles beim Turnier im niederländischen Tilburg 1985 vorzüglich demonstrierte.

Wegen starker Rückenbeschwerden spielte er seine Partie gegen Wiktor Kortschnoj auf einer Liege. Als er sah, dass sowohl Kortschnoj als auch die anderen dadurch irritiert waren, behielt er diese Lage auch in den anderen Partien bei – der verdiente Lohn war der geteilte Turniersieg mit Kortschnoj und Hübner. Aber natürlich ist so etwas nicht jedermanns Sache. Vielleicht doch eher die Leidensmiene.

Der inzwischen 85-jährige Exweltmeister Wassili Smyslow berichtete kürzlich, wie in Groningen 1946 sein 40 Jahre älterer Gegner Ossip Bernstein im Endspiel zu jammern anfing, wie sehr ihn in seinem Alter die Niederlage durch solch einen jungen Mann beschäme.

"Mir tat er ja schrecklich leid, doch die Gesetze des sportlichen Wettstreits sind streng, und so wollte ich wenigstens seine Leiden verkürzen und wählte den, wie mir schien, sofortigen Gewinn durch 1…b2. Doch plötzlich kam wieder Leben in meinen Gegner, und er blühte richtig auf."

Wie erreichte Bernstein als Weißer am Zug überraschend ein Remis? Helmut Pfleger

Auflösung aus Nr. 15:

Schwarz droht einzügig matt durch 1…Sg3. Aber wie hätte Weiß am Zug ihm mit einem forcierten Matt zuvorkommen können? Mit lauter Schachgeboten, so wie es einst schon die heilige Teresa von Avila, die Schutzpatronin der spanischen Schachspieler, forderte: 1.Sg6+! Kg7 2.f6+! Kxf6 (2…Kh7 3.Le8+ Kg8 4.Tg7 matt) 3.Tf1+ Kg7 (3…Kg5 4.Td5 matt) 4.Le8+ Kg8 5.Tf8 matt

Die Sammlung - Alle Spiele des Lebens im Überblick "