Tödlich ist der "Schock" beim Aufwachen allenfalls, wenn der Schlafwandler zum Beispiel an einem offenen Fenster steht oder am oberen Ende einer Treppe Gefahr läuft, vor Schreck herunterfällt. Trotzdem raten die meisten Schlafforscher dazu, nicht zu versuchen, Schlafwandler aufzuwecken, um sie von ihrem nächtlichen Treiben abzubringen.

Ein Fünftel aller Kinder wandelt gelegentlich im Schlaf – bis zum Erwachsenenalter reduziert sich diese Quote auf etwa ein Prozent. Schlafwandler befinden sich im Tiefschlaf, deshalb ist es ohnehin schwierig, sie zu wecken. Gelingt es, dann reagiert der Betroffene verwirrt, er weiß meist nicht, wo er sich befindet und wie er in die eventuell peinliche Lage geraten ist. Und in einer riskanten Situation kann das plötzliche Aufwecken die Gefahr sogar noch vergrößern.

Somnambule Menschen bewegen sich nicht mit "schlafwandlerischer" Sicherheit – sie folgen oft einer Lichtquelle (früher war das öfter der Mond) und gehen dabei stur geradeaus, ohne auf Hindernisse oder Abgründe zu achten. Das Ziel beim Umgang mit dem Nachtwandler sollte sein, ihn behutsam dazu zu bringen, ins Bett zurückzukehren und dort weiterzuschlafen. Am besten greift man den Schlafwandler sanft am Arm und dirigiert ihn an Hindernissen vorbei zum Schlafzimmer. Wenn er sich wehrt, weil er meint, eine bestimmte Aufgabe erfüllen zu müssen, etwa die Wohnung zu putzen, kann es hilfreich sein, auf diese Vorstellung (scheinbar) einzugehen. Mit manchen Schlafwandlern kann man darüber reden, diskutieren ist allerdings meist zwecklos. Und am nächsten Morgen haben sie in der Regel vergessen, was in der Nacht vorgefallen ist. Christoph Drösser

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